Swiss Bike Masters, 18.Juli 2010

105km/4400hm

Die Sommerferien starten auch dieses Jahr wieder mit der Teilnahme am SBM in Küblis. Die Ausgangslage für dieses Rennen ist für mich sehr speziell, habe ich doch erstmals die Chance in der Gesamtwertung der IXS Wertung mit einem sehr gutem Rennen das Leadertrikot überzustreiffen…
Samstagmittag Anfahrt nach Küblis mit Family. Treffpunkt mit Odilo ist das Hotel Alpina in Schiers. Pia und die Jungs fahren weiter ins Oberengadin- wir sehen uns morgen in Saas für die Verpflegung. Am späteren Nachmittag fahren Odilo und ich uns in Richtung Küblis ein und holen die Startnummer ab, der Himmel ist schon verdächtig schwarz und kaum im zurück im Hotel regnet es aus allen Kübeln bis in die Nacht hinein- nun wissen wir was auf uns zukommt….Schlammige Trails!
Tagwache um 05.15 Uhr, es regnet nicht mehr, der Himmel noch Wolkenverhangen. Leichtes Frühstück am reichhaltigen Buffet, philosophieren welche Kleider anzuziehen sind, Gilet und Armlinge oder doch nur die Armlinge? Ich entscheide mich für die Armlinge, es soll ja noch schön werden. Abfahrt um 06.45 nach Küblis und sofort einstehen im Startblock- da stehen aber schon gewaltig viele Biker an…na klar, kurze und lange Distanz starten zusammen….viel Stau Richtung Pany. Startschuss um 07.30 Uhr und sofort geht’s ans Überholen was das Zeug hält, ich will an Bärti dran bleiben, denn wir zwei machen heute das Leadertrikot aus- er liegt ca. 1.3 Punkte vor mir, ich muss ihm also ca.6 Minuten abnehmen. Alles läuft nach Plan, bin immer auf Sicht Distanz und das Körpergefühl ist optimal. Dann die Trail-traverse nach St.Antönien, schlammig und nasse Wurzeln-Aufpassen- dann ganz unvermittelt fängt mein Puls an zu rasen und ich kann kaum noch richtig Atmen- was ist los-die Beine werden schlapp und nun geht’s in den langen Anstieg zur Garschina Hütte-wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht. Fahrer um Fahrer überholt mich, dann kommt auch Renato: gahts nid guet Dani ? Ich sage nur solala und könnte schreien und weinen in einem- und Bärti zieht unaufhaltsam weg! Das Rennen ist gelaufen, ich will aufgeben, so hat das keinen Sinn mehr, aber ich habe noch nie aufgegeben, mach weiter. Irgendwie komme ich doch noch zur Garschina Hütte hoch und hoffe nun mich in der langen Abfahrt und der Trage und Schiebepassage bei Frösch zu erholen. Schlecht fühle ich mich da nicht wirklich, nur die Atmung ist immer noch blockiert. Kurz vor Saas queren wir mit Highspeed einen abfallenden nassen Wiesenweg, da verliert mein Vorderrad Grip und blitzschnell liege ich auf der Schnauze- Unglaublich , nun auch das noch- Bike checken- den Lock-out der Gabel hat es abgerissen, die Schaltung links ist lose- sonst scheint alles ok zu sein- ich habe ein paar Schürfungen am rechten Knie- Glück gehabt , trotz allem. Voller Galgenhumor fahre ich weiter runter nach Saas zur Verpflegung durch Pia und die Jungs- nun ist mir alles scheiss egal. An der Reparaturstelle wasche ich mein Bike und Ramon schmiert die Kette- Fabio übergibt mir ein neues Bidon und Pia frägt mich; Schatz wie geht’s ? Sie haben natürlich den grossen Rückstand auf Bärti bemerkt .. ca.10 Minuten. Maus, schlimmer geht’s nimmer, ich kann nur hoffen, denn nun geht’s bereits in den nächsten langen Anstieg hinauf zur Madrisa…Wie soll ich sagen, es klingt unglaublich, aber es scheint als ob der Sturz meine Blockaden irgendwie und auf einmal gelöst hat??!! Ich kann auf einmal mit einer super Kadenz und viel Kraft zur Madrisa hochkurbeln und überhole Fahrer um Fahrer- und nun kommt auch die Hoffnung wieder- never give up- der Jagdinstinkt ist wieder erwacht und schon bin ich in der Abfahrt nach Klosters, wo mich Pia und die Jungs bereits wieder erwarten.“ Maus, wieviel liege ich hinter Bärti?“ ist das erste was ich wissen will- Pia; Renato ist knapp vor dir und Bärti ca. 5 Min. voraus- super, weiter so- wir sehen uns in den Heubergen. Also hinterher, in Richtung Schiefer und tatsächlich, bald schon sehe und überhole ich Renato, im Schlepptau ziehe ich Norbi vom Auerpower Biketeam aus Obwalden mit, dann geht er in die Abfahrt der kurzen Strecke und ich weiter hoch zur Heuberge. Nach wie vor läufts mir sensationell, dann endlich, ich sehe das BIXS-Trikot von Bärti und schliesse schnell auf- wir grüssen uns und sofort ziehe ich durch- mein Ziel ist nun auf einmal wieder realisierbar- das Leadertrikot greifbar- wer hätte das bis Saas noch gedacht. Nun heisst es konzentriert die nassen Wiesentrails zu fahren und in den steinigen Strassen den groben Schlaglöchern so gut es geht auszuweichen um keinen Sturz oder Materialdefekt einzuziehen. Immer wieder ein Blick zurück, Bärti bleibt dran, mehr als eine Minute kann ich bis zur letzten steilen Auffahrt zur Fideriser Heuberge nicht rausfahren. Da steht bereits wieder meine Family. Pia gibt mir eine Flasche Cola- Zucker ist nun sehr gut- super Schatz – Girardi ist nur noch vor dir-bliib draa. Während dem schmiert Ramon die gierende Kette und Fabio verpflegt mich- das ist top Teamwork! Nun gebe ich wirklich noch mal alles und drücke die steile Rampe durch und weiter durch die letzte Schiebepassage hinauf zum höchsten Punkt der Strecke, nehme da das obligate dargebotene Melonenstück der Streckenfrau entgegen und knalle schnell aber kontrolliert runter in die endlos lange und ruppige Abfahrt nach Fideris, ziehe voll durch über die zwei letzten kurzen Anstiege und in die letzte Waldabfahrt hinunter nach Küblis rein ins Ziel- jede Sekunde zählt….
In 6.04 Std. bin ich durch- Rang 2 Herren 3- Overall Rang 21

Fazit: Tot gesagte leben länger, mehr kommt mir für dieses Rennen nicht in den Sinn. Unglaublich, brutal und doch so schön kann Sport sein. Schlussendlich hat mir eine knappe Minute oder 0.3 Punkte zum Leadertrikot gefehlt, aber die Freude über den erkämpften zweiten Rang überwiegt deutlich.
Nun geniessen wir die Sommerferien im Oberengadin.
Dani
Maus,es kann nur noch besser werden...Fideriser-Heuberge Family TeamworkDer Sieger war nicht mehr auffindbar...

Swiss Bike Masters, 18.Juli 2010

BikeTour: Visp-Stans 3. bis 10. Juli 2010

Ohne Stoppuhr im Nacken geht’s für eine Woche mit dem Bike über alle Berge. Die fast traditionelle Bikewoche steht wieder an. In diesem Jahr definitiv mein absolutes Highlight. Mit von der Partie ist der Tourenguide Stefan Fankhauser und Werni Portmann, wir sind also zu Dritt.
Pünktlich um 08.00 Uhr und bei strahlendem Sonnenschein fährt unser Zug ab Luzern in Richtung Visp, der Startpunkt unserer diesjährigen CH-Tour.
Der erste Tag ist noch eine „Einrolletappe“ hinauf zur Brandalp oberhalb Unterbäch.
Ab dem zweiten Tag geht’s schon heftig zu Sache: Hitzewallungen, steile Schotterrampen, diverse Tragepassagen, Schneefelder, geniale aber anspruchsvolle Singletrails lassen uns am Abend immer stark erschöpft in der Hotellobby eintrudeln…….
Mit den Unterkünften haben wir, mit Ausnahme in Frutigen, immer ein glückliches Händchen, da sind die „Strapazen“ vom Tag bei einem kühlen Panache + Gelatti sehr schnell vergessen.

Info’s zu unserer Streckenroute:

Visp – Stalden (Vispertal) – Brandalp (Unterbäch) – Gruben (Turtmanntal) – Forcletta (2874 m.ü.M.) – Zinal – Corne de Sorebois (2896 m.ü.M.) – Lac de Moiry – Pas de Lona (2787 m.ü.M.) – St. Martin – Sion – Sanetschpass (2250 m.ü.M) – Krinpass (1700 m.ü.M.) – Lauenen – Trüttlisbergpass (2038 m.ü.M.) – Lenk – Hahnenmoos – Adelboden – Frutigen – Kiental – Nessleren – Wilderswil – Meiringen – Mägisalp – Planplatten (2186 m.ü.M.) – Balmeregghorn (2250 m.ü.M.) – Jochpass (2207 m.ü.M.) – Engelberg – Stans.

Ich möchte mich noch bei Stefan + Werni für die tolle, spannende, kameradschaftliche und extrem unterhaltsame Woche bedanken.

Der Abschnitt oberhalb von Sion ist wirklich der beste oder besser genialste Singletrail den ich in meiner bisherigen Bikekarriere befahren konnte – vielä Dank an Stefan für seine Spürnase für solche Sachen…….

Unsere gemachte Tour ist total empfehlenswert, mit Ausnahme von Adelboden. Die Abfahrt vom Hahnenmoos ist gepflastert mit Verbotsschilder!

Für die Zahlenfreaks noch die Fakten: Total Strecke ca. 335 km, Höhenmeter ca. 12’950 m in 6 ½-Etappen.

Diese Woche werden wir so schnell nicht vergessen, geniale Trails, super Wetter, tolle Kameradschaft, schöne Landschaften, keine Pannen oder Unfälle.

Man(n) freut sich schon auf’s 2011, was es wohl bringen werde?!

1
Nach Stalden bei brütender Hitze (> 30° C)

2
Die berühmten Wasserrinnen im Wallis

3
Diverse Schneefelder sind zu bewältigen

4
Geschafft, wir sind auf dem Corne de Sorebois auf 2896 m.ü.M.

5
Auf dem Pas de Lona sind die Bikes auch müde….

6
Stefan im genialen Trail nach Sion runter

7
Der ausgesetzte Trail ab der Planplatten in Richtung Melchsee-Frutt

8
Ein letztes Foto zum Abschluss

BikeTour: Visp-Stans 3. bis 10. Juli 2010

Engadin Radmarathon, 11.07.2010

5.Engadin Radmarathon 211km/3827hm

Als Vorbereitung für den Ötztaler Radmarathon, so dachte ich mir, ist der Engadiner Radmarathon ein idealer Anlass um Mensch und Material zu testen und so habe ich mich kurzfristig noch angemeldet. Ein Rennen über 5 Pässe, mit vielen Baustellen und die ganze Strecke ist nicht gesperrt! Wirklich speziell.

Freitagnachmittag geht’s los ins Oberengadin. Im Gepäck zur Probe das leichte Cervélo Rennrad von Hans-Urs, um auch Materialseitig optimal ausgerüstet zu sein- Danke Jeffe, eine wirklich noble Geste.
Pedalen wechseln, den Vorbau auf up-rise drehen, 11-25 Kassette montieren und den Sattel gut 4cm ausziehen, das war’s.
Samstag dann knapp 2Std. locker einfahren um mich an das Renngefährt zu gewöhnen- alles bestens, das Bike passt.

Sonntag um 04.50 Uhr Tagwache, eingelegtes Müesli und einen Kaffee zum Zmorgä.
Der Himmel wolkenlos- 11 °C Temperatur auf 1700 hm aber es soll noch gegen 30°C werden.
Abfahrt mit dem Auto nach Zernez um 05.45 Uhr, Gilet und Armlinge montieren, 2 Gels und 2 Wasser Bidons einstecken, kurzes Einfahren und einstehen im Startblock 3 für die grosse Strecke. Nochmals warnt der Speaker ausdrücklich die Fahrer sich an die Verkehrsregeln zu halten, im speziellen erwähnt er die Rotlichtanlagen an den vielen Baustellen am Bernina und Flüela- wer bei rot durchfährt wird disqualifiziert!
Dann endlich um 07.00 Uhr der Startschuss für die 1200 Teilnehmer. Sukzessive arbeite ich mich nach vorne und bis zum Tunnel nach Livigno habe ich eine schnelle Gruppe erwischt. Dann geht’s los mit Windschatten jagen und kreiseln was das Zeug hält durch Livigno, hoch zur Forcola und weiter über die Bernina, die Verpflegungsstation lassen wir rechts liegen- unsere Gruppe hat sich zwischenzeitlich in den beiden Anstiegen stark dezimiert. Mit annähernd 90km/h knallen wir runter, dann die erste Baustelle- und wie kann es anders sein, drei Typen sind die ganz cleveren und preschen bei rot durch…dies unter den Augen eines Funktionärs… weiter geht`s , unten in Punt Muragl steht mein Vater und der Bruder mit Kids an der Strasse- ich werfe ihnen mein Gilet und die Armlinge zu- es ist kurz vor 09.00 Uhr und schon ziemlich warm. Durch die Baustellen Stopps hat sich unsere Gruppe wieder vergrössert, ideal um sich in der Fläche ins Unterengadin hinten zu verstecken… und schon sind wir kurz vor Zernez. Die kurze Distanz hat’s geschafft und biegt ab ins Ziel, für mich geht’s nun erst so richtig los.
Ausgangs Zernez ist die zweite Labestation eingerichtet und so entscheide ich mich die Gruppe ziehen zu lassen um Wasser und Nahrung aufzunehmen. Am Stand dann die Ernüchterung, nur trockene Bündnernusstorte, Linzertorte und Bananen, aber keine Gels, aber ich muss essen, habe doch nur zwei Sponser Gels mit dabei und niemand auf der Strecke der mich Verpflegt…mit mühe würge ich das trockene Zeugs runter. Alleine geht’s weiter und kurz vor Susch drückt die Blase vehement, also ab in die Wiese und erleichtert geht’s rein in den Anstieg zum Flüela. Ich fahre meinen Rhythmus und schliesse bald zu anderen Fahrern auf und schon stoppen uns wieder zwei Baustellenampeln, die Rennleitung steht schon bereit…nun ist die Temperatur schon ziemlich hoch und die Bidons leeren sich. Zu dritt erreichen wir die Passhöhe, anhalten und am Verpflegungsstand die Bidons füllen, Banane und Kuchen rein stopfen und ab in die Abfahrt nach Davos. Durchs Landwassertal formieren wir ein fast perfekt kreiselndes fünfer-Zügli bis hin zum leichten Aufstieg nach Wiesen und weiter nach Alvaneu-Bad- da nochmals die Bidons füllen und Bananen reinstopfen- Kuchen bringe ich nicht mehr runter und meine 2 Gels sind bereits weg- so nun geht’s nochmals richtig zur Sache, der lange und finale Aufstieg zum Albula steht an. Die ersten Rampen bis Bergün teilen unsere Gruppe- zwei ziehen davon- ich kämpfe mit mir- die Kraft hat merklich nachgelassen und die Sonne brennt unbarmherzig auf uns nieder- aber viel schlimmer noch, die Passhöhe ist noch so unendlich weit weg. Zu zweit kämpfen wir uns nach oben (ein Fahrer mit Livestrong Dress und hohen schwarzen Socken, ich stelle mir vor ich fahre mit Lance Armstrong), unter den berühmten Bahnviadukten der Rätischenbahn durch- hilft mir aber auch nicht weiter- nach Preda, da an einem Brunnen nochmals kühles Bergwasser auffüllen und die letzte 3km hoch zum Pass. Lance habe ich inzwischen stehen lassen, die Beine drehen und tatsächlich kann ich Fahrer um Fahrer überholen. Dann meldet sich mein Magen und ich kriege starkes Fussbrennen, klare Zeichen für Kohlenhydratmangel und einem drohenden Hungerast- und ich habe nichts mehr dabei! 1km vor der Passhöhe schliesse ich zum Fahrer mit der Nummer 153 auf, er hantiert an der Rückentasche rum und zieht 2 Powerbar Gels heraus, ich habe schon Angst er wolle Ballast los werden und diese weg werfen und frage ihn ob er einen Gel übrig hat- und er hatte- ohne Worte hält er mir einen Gel hin- ich sage nur ; du bisch ä flottä siech und drücke die Tube rein.. wohl gerade noch rechtzeitig..dann endlich bin ich oben und zu meiner Überraschung steht da Thomas, mein Bruder und gibt mir ein Bidon mit Cola-Wasser. Am Verpflegungsstand noch schnell 2 Becher Cola trinken und in die letzte Abfahrt nach La Punt.
Unten in der Fläche schliesse ich zu einem Pinarello Fahrer auf, ein Blick zurück, kommt noch einer? und tatsächlich, mein Gel Spender sehe ich 200 Meter hinter uns. Nun kann ich mich revanchieren und warte auf ihn bis er aufgeschlossen hat. Zu dritt fliegen wir nun dem Ziel entgegen und haben sogar noch die Kraft für einen Zielsprint- Zeitgleich in 6.41 Std. passieren die 153 und ich die Ziellinie. Das ist doch Fair!
Herren 66+ jünger Rang 14/ Overall Rang 16

Fazit: Ein Rennen im Sonntagsverkehr ist wirklich für alle Beteiligten sehr anspruchsvoll und birgt viele Gefahren. Ok, ich habe das eine oder andere Mal auch mächtig Glück gehabt- aber die Nummer ist am Lenker und ……..
Sollte ich nochmals teilnehmen muss ich die Verpflegung organisieren, wie dies wohl alle vorne Rangierten gemacht haben- Kuchen und Bananen geben zuwenig her.
Alles in Allem eine perfekte Standortbestimmung für den Ötztaler Radmarathon ende August, die dazu noch fast optimal ausgegangen ist.

Dani
Weg mit den warmen Kleidern in Punt Muraglund schon ist er wieder weg....kur vor der Albula Passhöhe

Engadin Radmarathon, 11.07.2010