Schwarzwald-Bike-Marathon in Furtwangen vom 8. September 2013

Schwarzwald Bike Marathon Furtwangen 120km/3000Hm

Die sixty-sixers sind wieder einmal „komplett“ als Team unterwegs, in diesem Jahr habe ich Dänu mehr als einmal im Stich lassen müssen. Aber die Premiere der sixty-sixers in Furtwangen wollte ich unter keinen Umständen verpassen und gleichzeitig dient das Rennen als willkommene Abwechslung zum beruflichen Alltag.

Meinerseits habe ich im Frühjahr nicht an einer tollen Form im Spätsommer gezweifelt, darum kam nur die “Königsklasse“ mit 120 km mit 3‘000 Hm in Frage. Die Alternativen, resp. kürzere Strecken (30 bis 90 km) wurden keines Blickes gewürdigt….

So fahren wir am Freitag voller Elan und Zuversicht in den nahen Schwarzwald nach Furtwangen. Die erste Aufregung schon beim Einchecken im Gasthaus zur Birke, eine Reservation von einem Herr Daniel Christen aus der Schweiz ist nicht da! Zum Glück hat Dänu die Kopie vom Mail dabei und das Rätsel löst sich allmählich auf: Der Gasthof wurde im Frühjahr 2013 verkauft, renoviert und im Frühsommer neu eröffnet. Leider hat die Vorbesitzerin die bis dahin getätigten Zimmer-Reservationen nicht weitergeben! Wir haben aber Glück und erhalten das einzige noch freie Doppelzimmer! Dank der Renovation hat es jetzt einen grossen Flach-Bildschirm mit Satellitenempfang (leider kein SRF Kanal und der Zimmerpreis steigt von 30 auf 40 Euro) im Zimmer und können gemütlich den Fussballmatch Deutschland – Österreich in HD geniessen!

Die Anreise am Freitag ist natürlich nicht ohne Grund, wir wollen am Samstag einen Teil der Strecke abfahren und kennenlernen. Die 120 km – Strecke macht zuerst eine 30 km „Startrunde“ wieder nach Furtwangen zurück um dann in die 90 km mit 2’100 Hm „überzugehen“. Aber Morgen regnet es noch, wir zögern das Frühstück hinaus. Die Sonne hat mit uns Erbarmen und zeigt sich rasch, ab jetzt es gibt für uns kein Halten mehr…..

Da im Info-Büro kein Streckenplan zum diesem Zeitpunkt verfügbar ist, muss das Höhenprofil reichen. Leider ist die Strecke miserabel oder gar nicht markiert, trotz nachfragen bei Einheimischen verfahren wir uns mehrfach komplett. Statt 30 km haben wir nach Abschluss der „Besichtigungs-Runde“ fast 60 km auf dem Tacho! Unsere Handys sind zwar mit Navi ausgerüstet, aber mit einem E-Netz ist der Datendownload einfach (viel) zu gering dafür. Super Vorbereitung für das Rennen vom Sonntag, ich habe das Gefühl mein Pulver schon verschossen zu haben! Nicht mal annähernd einen 20 km/h Schnitt dabei geschafft, da muss ich Morgen wohl oder übel mit 6 1/2 bis 7 Stunden im Sattel rechnen – schöne Aussichten bei den üblen Wetterprognosen für den Sonntag!

In der Nacht auf den Sonntag die angekündigten Regenschauer begleitet mit Blitz und Donner. Bevor der Wecker um 05.25 Uhr losgeht sind Dänu und ich (hell)wach. Kurze Besprechung auf dem Balkon: Trotz Regen, es gibt kein kneifen – die sixty-sixers starten!

Rennbericht von Hans-Urs:

Im leichten Regen rollen wir mit gemischten Gefühlen nach Furtwangen hinein, pünktlich um 07.00 Uhr erfolgt der Start zum Rennen. So nach 5 km biegen wir in einen Feldweg ab, es vergehen keine 2 Minuten und ich bin komplett mit mehreren Fangopackungen eingedeckt. Anstatt Staub aufzuwirbeln wird das 150’er Feld zur grossen Dreckschleuder…..

Es ist wie (fast) alle Jahre, Wunsch und Wirklichkeit bezüglich des Formstands klaffen weit auseinander. Trotzdem ist eine gewisse Renntaktik auch bei mir unabdingbar, ansonsten ein Debakel schnell vor der Türe stehen kann. Da der Start der 90 km-Runde um 09:00 Uhr erfolgte, wollte ich nach spätestens 1:45 Std. die Zusatzrunde absolviert haben – dies gelang mir mit 1:36 Std. perfekt. Somit erfolgte der Start zur 90 km-Runde im gebührendem Abstand hinter meinen Rücken……..

Nach dieser ersten Zieldurchfahrt merkte ich aber, dieses Tempo kann ich nie und nimmer bis ins Ziel durchziehen, es sind noch 90 km zu fahren. Zu allem Elend fängt meine Gruppe an zu pushen: Die Wellen werden einfach durchgedrückt oder im Wiegetritt „überflogen“. Jetzt nur die Vernunft walten lassen, eine solche Fahrweise lässt mein jetziger Formstand nicht zu – Schade! Ich muss schweren Herzens abreissen lassen und mein eigenen Rhythmus fahren.

Ab km 30 bis zu km 80 fahre ich bewusst kraftschonend, d.h. alle Rampen und Steigungen werden mit hoher Kadenz und nicht mit dicken Gängen bezwungen. So habe ich nach 2/3 der Strecke noch ein paar Körner übrig und mit Hilfe von Cola kann ich zur „Schlussoffensive“ starten. Diese ist zwar relativ bescheiden, aber es gelingt mir noch ein paar Kontrahenten wieder zu überholen. Nach 6:26 Std. komme ich müde, pannen- und sturzfrei, dreckig aber vollauf zufrieden ins Ziel. In meiner Kategorie schaut der 16. Platz von 44 Teilnehmern raus, rangmässig im Mittelfeld. Kein Ruhmesblatt zwar, aber dafür alles geben was im Tank, resp. in den Beinen war!

So gesehen, hat sich der Trip nach Furtwangen für persönlich mich extrem gelohnt. Die Strecke ist abwechslungsreich und bei den Verhältnissen auch für CH-Biker anspruchsvoll. Der Black Forest Ultra Bike Marathon in Kirchzarten ist eigentlich mein Lieblingsrennen – ich glaube ich habe mich frisch verliebt………!




Hans-Urs

Rennbericht von Daniel:
Die Steilvorlage von Hans-Urs für meinen Rennbericht ist angekommen;
Das Ein(ver)fahren am Samstag hat zumindest eine grosse Erkenntnis hervorgebracht- die 3000Hm müssen mit dutzenden von Anstiegen mit bis max. 400Hm am Stück erfahren werden, was mir eher entgegen kommt als lange steile Anstiege.

Mein Ziel für die Premiere am SBM ist klar, so lange wie möglich den ganz schnellen hinterher jagen, die nicht zu langen Anstiege durchdrücken und dann auch in den Flächen und Abfahrten den Druck konstant hoch halten- fühle mich super-meine Form ist gut.

Kurz nach 05.00 Uhr morgens auf dem Balkon ist aber die Motivation ziemlich im Keller-ich bin definitiv kein Schlechtwetter Biker- Danke Hans-Urs, ohne dein ganz subtiles Machtwort wäre ich wohl wieder unter die Bettdecke verschwunden.
Also Regenvollschutz montiert mit kurzen Regenhosen, Überschuhen, Gilet und Regenjacke und ab ins Startgelände. Pünktlich um 07.00 Uhr der Startschuss und ab geht’s auf die ersten flachen km hin zum ersten Anstieg- alles geht gut, die Fahrer verhalten sich sehr diszipliniert, keine brenzlige Situation, kann mich sogar mit einem Schweizer unterhalten- wobei aber der Mund immer wieder mit Dreck vom Vordermann gefüllt wird- ich hasse das.
Kurz vor Vöhrenbach werden die Regenjacken geöffnet, der erste Anstieg steht an, das Rennen ist lanciert. Die ersten Tempoverschärfungen kann ich problemlos mitgehen, dann muss ich die Vernunft walten lassen, fahre meinen Rhythmus. Die Waldstrassen nass aber nicht schlammig. Die schnelle Abfahrt zum Linacherstausee problemlos, zu viert geht’s über die nächsten Anstiege nach Urach-Linach und zurück nach Furtwangen. Nach der Start-Ziel Durchfahrt die Regenjacke ausziehen, es regnet nicht mehr, die Temperatur nicht unangenehm um die 14°C- nun geht der Marathon erst richtig los. Landschaftlich wunderschön ein stetiges auf und ab, wenig Asphalt, viele Waldstrassen und immer wieder Wiesentrails, die gottseidank nicht schlammig sind und die Kraft aus den Beinen saugen. Die Organisatoren streuen immer wieder kurze technische Abschnitte mit Wurzel-und Steintrails ein, ansonsten ein super schnelles Rennen- immer pushen- nur nicht die Beine hängen lassen. Mir läuft es bis jetzt sensationell gut, habe wirklich mächtig bums in den Beinen und kann die unzähligen Anstiege durchdrücken. Bei km 61.2 auf der Kathrinerhöhe hänge ich mich einem Stafettenfahrer an- zusammen knallen wir einen Wiesentrail runter, über eine Bodenwelle in den nächsten Waldweg- pffffffftt- pffffffttt- ich glaube es nicht- hinten entweicht massiv Luft und Latex-Milch spritzt in den Schwarzwald- verdammte Sch..- anhalten, HR drehen und hoffen die Milch dichtet das grosse Loch ab- ja, es wird ruhiger, aber noch „blätterlet“ es gehörig aus dem Pneu- leicht mit der Co2 Kartusche nachpumpen- aufsteigen und weiterfahren- der schnelle Fahrer ist leider weg. Das Fahrgefühl schwammig, noch immer entweicht Luft- verlagere mein Gewicht etwas mehr auf die Sattelspitze-gut kommt jetzt eine längere Abfahrt und somit die Chance während dessen das Loch abzudichten. Die Kurven werden mit wenig Reifendruck zum Driftabenteuer-aufpassen, dass der Pneu nicht von der Felge fliegt- lieber anhalten und wieder nur sachte nachpumpen, das Loch ist zu massiv und würde ansonsten bei zu viel Luftdruck wieder aufplatzen. Nun denn, sollte das Loch nicht schliessen, habe ich noch genau eine Co2 Kartusche übrig um den Schlauch zu montieren. Die nächsten Anstiege und Waldtrails fahre ich deshalb sehr verhalten, der Gripp aber mit knapp über 1 bar Druck ist sensationell. Bei jedem Streckenposten frage ich nach einer Pumpe- leider nein, dann hat`s doch eine, aber die funktioniert nicht-verdammt, hege keine jugendfreie Gedanken. Bei km 78 in Gremmelsbach nach der Laufpassage endlich ein Reparatur Posten mit funktionierender Pumpe- sofort hin und wiederum sachte nachpumpen- der Pneu ist dicht, gut für den längsten Anstieg des Tages und die letzten 40km. Noch immer dreht mein Motor sensationell, auch der heftige Gegenwind oben auf den Hügeln mit den vielen Windrädern bis Breghäusle macht mir nichts aus. Fahrer um Fahrer schnappe ich mir nun, ob Kategorienkonkurrent oder nicht- keine Ahnung, überholen ist immer gut. Die letzten 18km stehen an, wir gesellen uns zu den Kurzstrecklern, ab jetzt meine Motivatoren, meine Hasen. Nochmals eine rasante Abfahrt und schon wieder dieses unverkennbare zischen, diesmal vorne- darf doch nicht war sein- sofort Gewicht nach hinten verlagern und erneut hoffen, dass die Milch dichtet- nach elendig langen Sekunden ist das hässliche Geräusch endlich weg-Glück gehabt- Adrenalin und Angstpuls noch immer hoch, knalle ich mit allem was noch rauszuholen ist über die letzten Wellen in die Fläche dem Ziel entgegen.
Im Ziel in 5.05 Std Senioren 2 Rang 1 / Overall Rang 7

Fazit:
Konditionell konnte ich die Peakbreak Form über den Sommer super konservieren und da der Kurs technisch nicht sehr anspruchsvoll ist, kam ich auch mit sehr wenigen Bike Kilometern gut über die Runden.
SBM Furtwangen, wir kommen wieder. Eine abwechslungsreiche Strecke, ähnlich wie Elsa Bike, einfach alles mal zwei. Macht Spass und kann auch bei schlechtem Wetter gut befahren werden, ohne übermässig Risiken eingehen zu müssen.
Die Streckenmarkierungen dürften etwas häufiger und genauer gesetzt werden, die Streckenposten etwas energischer beim Anzeigen von Gefahrenstellen. Ansonsten ein gut organisierter Anlass mit soliden Teilnehmerzahlen. Das Teilnehmergeschenk, ein Buff Kopftuch, offenbart aber auch hier klar, dass finanziell keine grossen Sprünge drin liegen. Als Sachpreis für den ersten Rang gab’s ein 5liter Bierfass von Rothaus- mal schauen wie und wo wir die vernichten können.

Für mich ist hiermit die Bike Marathon Saison nach zwei Anlässen abgeschlossen. Die Saison 2013 werde ich heuer mit zwei Einzelzeitfahren beenden. In zwei Wochen beim King of the Lake, einem EZF über 46km rund um den Attersee in Salzburg und am 5.Oktober mit dem 30km EZF in Orbe.

Dani

am Linacherstaussee

Schwarzwald-Bike-Marathon in Furtwangen vom 8. September 2013

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