Einzelzeitfahren King of the Lake , 22.September2013

Einzelzeitfahren “King of the Lake” Seewalchen am Attersee

46km/200Hm

Bei den abendlichen Pasta Partys am Peakbreak wurde ich auf dieses legendäre EZF im Salzkammergut, rund um den grössten Binnensee Österreichs, aufmerksam gemacht. CO2-Bilanz hin oder her, da will ich hin, wenigstens einmal dabei sein.
Samstagnacht die lange Fahrt nach Nussdorf am Attersee, diesmal mit allen relevanten Quittungen für meine Fahrräder, falls wieder ein Zollbeamter komisch will. Einchecken und ab ans Frühstücksbuffet. Zu Hause schönstes Herbstwetter, hier im Osten kühl und noch nass. Gegen Mittag sattle ich mein Rennrad um die Strecke abzufahren und das Eventgelände zu inspizieren. Eine schöne Strecke, den See immer zur Rechten geht’s durch kleine Dörfer und gewundenen gut asphaltierten Strassen. Die erste Hälfte der Strecke eher flach, der letzte Abschnitt wellig mit einer 13% Rampe- keine Stopp and Go Strecke- also null Erholung, immer volle Kanne- wird spannend werden, habe keine Erfahrung über eine so lange Distanz. Nach Konsultation der letztjährigen Resultate meiner Altersklasse setze ich mein Rennzeit-Ziel mal ganz optimistisch auf 1.03 Std.
Leider aber wird die Strecke für den Sonntagsverkehr nicht gesperrt..

Sonntag mit Startnummer 89 um 12.29 Uhr der Start- zehn Minuten vorher Fahrervorstellung im Zielbereich und kurzes Interview des Speakers mit dem weit gereisten 66er aus der Schweiz- nein, ich bin kein reiner Zeitfahrspezialist und heisse auch nicht Cancellara..
Dann geht’s neutralisiert von der Rampe- der Start erfolgt 1.5km ausserhalb von Seewalchen- nochmals kurz den Organismus hochdrehen, fühle mich sehr gut.
Leicht nervös stelle ich mich ein- der Starthelfer hält mich fest, im Minutentakt werden wir auf die Strecke geschickt- Countdown- GO. Auf ins Abenteuer- Wiegetritt und sofort in die neue, im Training erprobte sehr tiefe Aeroposition. Nur nicht überpacen, den Blick immer auf das SRM- ich will konstant im hohen G2 Bereich drücken. Ohne grossen Verkehr mit ca.47km/h nach Weyergg, rein ins Dorf und prompt will ein älterer Herr die Strasse queren. Aufrichten und schreien in einem-Glück gehabt-beide! Die nächsten flachen 10km bis Steinbach gilt es nun einen konstant hohen Rhythmus und eine Durchschnittsgeschwindigkeit über 46km/h zu finden und zu halten, will ich meine Zeit erreichen. Bald schon habe ich aber das Gefühl, dass zu viel Energie verpufft, gar nicht erst auf die Pedalen kommt- und das SRM bestätigt mein Gefühl- es fehlen 20-30 Watt, die ich auf dem Rennrad locker treten kann, in der tiefen EZF Position im Renntempo nun aber nicht (Training simuliert halt einfach kein Rennen) Habe den Lenker wohl zu optimistisch tief gestellt und blockiere damit den Kraftfluss -zu spät-ein Scheissgefühl wenn da einfach nicht mehr kommt, obwohl es noch müsste. Versuche mit Sattelrutschen so gut es geht zu kompensieren um mehr Druck zu erzeugen. Weiter nach Steinbach und Weissenbach hin zur Umfahrung Unterach, der ersten längeren Welle die ich teileweise im Wiegetritt hochwuchte. Nun geht’s schon in die zweite Hälfte, eher wellig, hier ist hintenraus nun Stehvermögen gefragt-müsste mir liegen. Das halten der Aeroposition ist schon längst zum unsäglichen K(r)ampf ausgeartet, bin froh für jede Welle um in den Wiegetritt zu gehen und Rücken, Nacken und Arme zu entlasten. Nachdem ich mittlerweile mehrere Teilnehmer auf normalen Rennvelos überholen konnte, sehe ich endlich einen Tiefflieger vor mir- gut für die Motivation und die Schmerzen zu vergessen. Mit Tunnelblick hinterher, vorbei an Nussdorf und Attersee und genau vor der 200 Meter langen 13% Rampe beim Buchberg bin ich an der Nr.87 dran und sogleich auf dem kleinen Blatt im Wiegetritt vorbei- der andere steht fast in der Rampe, ich drücke auf Tutti mit brennenden Beinen und Puls bis zu den Ohren durch. Oben ein Blick auf die aktuelle Rennzeit-grosse Enttäuschung- meine angestrebte Zeit werde ich nicht mehr erreichen können, aber das Ziel ist nicht mehr weit. Auf den letzten 4km werde ich zu allem noch von einer Sonntagsfahrerin ausgebremst-überhole Sie und klopfe mal eben nicht sehr fein und freundlich an die Seitenscheibe..auf einmal findet Sie das Gaspedal doch noch. Total verkrampft wird nochmals am ZF-Lenker gezerrt, dann endlich die Zielflaggen und im Ziel in 1.05 Std
Ø 42.5km/h, U50 Rang 4 / Overall Rang 20
ZW1: 0:33:30,89 ZW2: 0:31:29,31
Lumpige 9 Sekunden fehlten zum dritten Rang 😦 der erste fährt in einer eigenen Liga und nimmt mir über 6 Minuten ab!!!

Fazit:
Das nenn ich nun Lehrgeld bezahlt- ich wurde nicht zum King erhoben, eher auf den Teppich zurückgeholt. Das längste meiner bisherigen EZF ging über 26km und genau so weit kam ich nun in der tiefen Aeroposition mehr schlecht als recht auch durch. Danach war es ein andauernder Kampf gegen alles was es auf der Maschine zu (be)kämpfen gab. Trotz allem konnte ich mich doch immer wieder motivieren und den inneren Schweinehund überwinden, indem ich mir einredete, dass auch die anderen nicht in ihrer Komfortzone fahren konnten- auf der anderen Seite aber; Zahlen lügen nicht und das SRM zeigte mir zu jeder Zeit schonungslos auf, das ich nicht mein Leistungsvermögen abrufen konnte. Das enttäuscht mich am meisten, denn wenn schon alles weh tut, dann will ich auch alles aus mir rausgeholt haben. Doch mit der aktuellen Sitzposition ist das anscheinend unmöglich. Der Lenker muss wieder rauf, halt zu Lasten der Aerodynamik aber zu Gunsten der Kraftentfaltung- Biomechanik oder Wissenschaft? eher beides.
Nach einem alkoholfreiem Weissbier und etwas Fachsimpelei im Zielbereich mit Hannes, meinem österreichischem PZF Partner von Bad Saulgau, war der erste Frust aber schnell wieder vorbei.
Auch wenn die Strecke nicht gesperrt ist, landschaftlich und sportlich aber ist das Rennen ein Highlight, und wenn alles passt werde ich auch 2014 den King nochmals herausfordern.
Nun gilt es die gemachten Erfahrungen für das letzte EZF in einer Woche in Orbe über 31km umzusetzen- danach wird eine professionelle Sitzposition-Analyse hoffentlich mehr Aufschluss geben.
Dani

Einzelzeitfahren King of the Lake , 22.September2013

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