Bike Transalp 16-22.07.2017

7 Etappen 545km / 17‘987 HM

Team bikeholiday.ch/bike arena emmetten

Im Herbst 2016 kommt die unerwartete telefonische Anfrage vom sicherlich stärksten Schweizer Grandmaster Marathonfahrer Gerber Hansjürg mit Ihm die Bike Transalp 2017 zu fahren- kurzes Zögern (will ich mir das wirklich antun..) ein schneller Entschluss und die Zusage. Nun werde ich also erleben wie es ist das schwächere Glied im Team zu sein- ist mir definitiv eine Erfahrung wert. Beatrice managt alles Organisatorische, ich muss nur schauen bis dahin fit und gesund sein.

Anreise am Samstag nach Mayrhofen. Beatrice wird uns die ganze Woche an der Strecke betreuen und nach dem Rennen massieren. Die Wetteraussichten sind sehr vielversprechend- tolle Aussichten nach meinem total verregneten Debut 2014 mit fünf Regenetappen..

Etappe 1 Mayrhofen-Brixen 108km / 3119 Hm

Die Königsetappe am ersten Tag. Da Hansjürg als Titelverteiger in der Grandmaster Kategorie antritt, starten wir aus dem ersten Startblock. Die letztjährigen zweiten aus Deutschland und Slowenien (jeweilige Staatsmeister) sind auch wieder da und wollen nun unbedingt den verpassten Gesamtsieg einfahren. Schon die ersten 32km mit 1500Hm am Stück hoch zum Pfitscherjoch fahren wir zusammen.

In den schnellen Kies und Strassenabfahrten sind wir aber schneller, fahren mit einem jungen Team davon und ziehen über das Valser Jöchl bis nach Brixen durch- Tagessieg mit 5‘ Vorsprung und Übernahme des grünen Leader-Trikots- Hammergefühl an der Siegerehrung.

Etappe 2 Brixen-St.Vigil 63km/ 2668Hm

1700Hm auf 18km vom Start weg auf einem Schlittelweg hoch zur Rossalm lassen mich auch im Leadertrikot erschaudern.. die zweiten wollen es nun wissen und attackieren vom Start weg- leider ist bei mir irgendwas nicht im Lot, aus dem Rücken kommt kaum Kraft und so wird das für mich nicht möglich gehaltene Szenario war- ich mache nun tatsächlich selber die Erfahrung vom Teampartner immer wieder angeschoben zu werden…aber so können wir den Rückstand bis oben mit knappen 3 Min. einigermassen in Grenzen halten.

Bis zum Würzjoch auf grösstenteils Asphalt kann ich mich irgendwie erholen und tatsächlich sehen wir die Leader vor uns. Ganze 2km vor dem Ziel in St.Vigil fahren wir zu ihnen auf, verschnaufen kurz und ziehen mit einem langen Sprint durch- Tagessieg – unglaublich

Ziel Sprint

Aber was ist der Grund für meine Schwäche ? Bea’s Massage bringt es ans Licht „ du bist mit Altlasten hier angetreten“ die Adduktoren sind total verklebt und verspannt- wirkt sich negativ auf den unteren Rücken aus- daher hast du auch eine schlechte Kraftentfaltung. Sie findet die brutal schmerzenden Trigger Punkte und löst was machbar ist und ermuntert mich nun täglich zu dehnen..

Etappe 3 St.Vigil-St.Christina 65km / 2460Hm

Heute gibt’s Dolomiten Total- kenne ich teilweise von unseren Rucksack Touren mit Hans-Urs. Start wieder aus dem Leader Startblock im grossen Feld locker nach Pederü, dann geht die Post ab hoch zur Faneshütte-Limojoch-Tadegajoch. Meine Beschwerden sind etwas besser aber weit nicht 100%- leiden und beissen und hin zur obligaten 1.4km Downhill Tragepassage.

Diese ist teils so steil und verblockt, dass ich schon jetzt weiss was diese unmögliche Wandertour mir als Velo-Bewegungsidiot muskulär auslösen wird ! Leider halten sich nicht alle Teams an die Weisung und fahren wo möglich (was dann im Ziel auch dem Profi-Team von Vaude zum Verhängnis werden wird) Unsere GM Leader haben wieder voll attackiert- ich gebe alles was geht- Hansjürg aber kann zeitweise „go blüemälä“…weiter über Corvara hoch zum Grödnerjoch und in die Trails-

kurz vor dem Desaster

da wollen wir wieder aufholen- verpassen eine ansteigende Linkskurve- drücke durch- ein Knall und die Kette liegt am Boden- Kettenriss- Hektik pur- Werkzeug und Ersatzglied raus-drei total verbogene Glieder müssen entfernt werden- werde also nicht mehr alle Gänge benutzen können-unendlich lang dauert das- endlich wieder los- einfach ins Ziel kommen und den Schaden in Grenzen halten- die noch folgenden steilen Anstiege muss ich leider laufend erklimmen- will kein Risiko eingehen. Im Ziel mit über 20‘ Rückstand und das Leadertrikot ist weg.

Im Ziel beim Shimano- Techstand, und nur mit deren absolutem Wiederwillen, die Konkurrenz-SRAM Kette montieren lassen- und das erst noch an einem Versender Bike aus DE- kam mir noch selten so beschissen behandelt vor- passt wohl zum Tag.

Bea’s Massage wieder in die Trigger Punkte hilft und lässt mich hoffen Hansjürg nicht total hängen zu lassen.

Etappe 4 St.Katarina- Kaltern am See 98km / 3000Hm

Auch als GM zweite dürfen wir noch immer im ersten Startblock starten- wenigstens das. Tatsächlich hat die gestrige Wanderetappe ihre Wirkung nicht verfehlt- ich habe brutalen Muskelkater in den Oberschenkeln (wovon auch ganz prominente Profis nicht verschont blieben..) Heute geht’s über unzählige Anstiege auf eine Marathondistanz, weg von den Dolomiten über die herrliche Seiseralm und rund um den Langkofel ins Etschtal

Seiseralm

– zu verlieren haben wir nichts mehr- ich beisse und leide. Die technischen Trails fahren wir sauber und wirklich schnell- ein Genuss. Unten im Tal wird’s sehr heiss und über den Kojotenpass nach Kaltern als zweite GM ins Ziel und ab ins Luxus Hotel mit Spa-Bereich go bädälä. Die Massagen zeigen positive Wirkung und auch meine plötzliche Dehnmotivation ist beeindruckend..

Etappe 5 Kaltern am See- Trento 85km / 2620 Hm

15km neutralisiert im grossen Feld bis zum Anstieg hoch zum Gfrillner Sattel, dann durch herrliche Lärchenwald Trails wie im Oberengadin runter nach Lavis. Die GM Leader haben sich wieder aus dem Staub gemacht- ich kann auch heute nicht ganz mithalten- you have to accept it- Der letzte Schotteranstieg hoch zum Monte Calisio kenne ich noch von 2014- ist jemand hinter uns? Ich sehe zwei grüne Trikots und orange Federgabel- durchzuckt mich heftig- es sind zweifellos die GM Leader- Hansjürg sage ich nichts, gebe nun aber auf Anschlag mein allerletztes- oben informiere ich meinen Partner und knallen volle Kanne in den Affengeilen aber tricky, mit engen Felsen- und Baumpassagen versetzten Singeltrail runter nach Trento- tatsächlich holen wir uns den 3. Etappensieg (anscheinend haben sich die Leader verfahren- alles ist möglich)

wie die Jungfrau zum Kinde

Etappe 6 Trento- Lavarone 49.5km / 2000 Hm

Eine kurze Sprint Etappe, die es aber voll in Sich hat. Neutralisiert aus der schönen Innenstadt von Trento raus auf die 10km hoch zum Passo Cimirlo – das Tempo sehr hoch- mir geht es schon viel besser und die Leader bleiben im Sichtfeld, ziehen aber schliesslich doch kontinuierlich davon- ruhig bleiben und den eigenen Rhythmus fahren. Steile Anstiege wechseln sich mit schönen Waldtrails ab- auf Schotterstrassen und schmalen Waldtrails hoch zum Passo de la Fricca und weiter zum Monte Tablat, um da auf der spassigen Freeride Strecke von Lavarone ins Ziel zu heizen.

die Zuversicht ist zurück

Wieder etwas Zeit verloren, aber es war auch schon mehr-auch die Leader werden müde und es steht noch eine Etappe an.

Etappe 7 Lavarone- Riva 79km/ 2117 Hm

Der Muskelkater von der Wandereinheit in Etappe 3 hat sich gelegt und Bea’s Massagen zeigen Wirkung- mein Rücken fühlt sich Welten besser an, entsprechend bin ich sehr zuversichtlich heute nochmals mit Hansjürg eine vernünftige Pace anzuschlagen und die Leader zu fordern. Nochmals im vordersten Startblock einstehen und 5km neutralisiert runter hin zum ersten Anstieg hoch zum Forte Cherle- wie schon gewohnt können wir die Leader nicht halten, verlieren aber bis oben nicht allzu viel Zeit. Auf Waldstrassen mit gutem Speed im Windschatten eines Master Teams hin zum Ospedale Militare, dann schlägt erneut die Pech-Hexe gnadenlos zu- eine Glasscherbe zerschneidet mir genau in der Mitte den Vorderpneu- massiv spritzt die NoTubes Milch raus, versabbert alles und in Sekunden ist der Pneu platt- es soll einfach nicht sein- gottver******Sch*****- Konkurrenten fahren vorbei und rufen in allen Sprachen Oh no- not again !! fragen ob wir alles haben- ja danke- Rad raus, Schlitz suchen- Schlauch rein und ein Stück Gummi zwischen Schlitzer und Schlauch legen- mit Kartusche aufpumpen- Rad in die gute aber umständliche RS1 Gabel einfädeln (nicht ganz einfach in der Hektik -der Bulls Mech hat mir ja gesagt es sei ein “ gefigge“) und mit Wut im Bauch rollen wir nun das Feld von hinten auf- bis zum Passo Coè und Dosso del Sommo wird nur überholt

in der langen teils sehr technischen Abfahrt ist Geduld gefragt-überholen leider teils unmöglich, runter schleichen und genau desshalb haut’s uns auch fast in die Steine. Unten in Calliano auf Radwegen in der brütenden Hitze nach Rovereto auf die mit bis 20% Rampen  gespickte Strasse hoch zum Monte Faè. Zwischenzeitlich sind wir wieder auf dem zweiten Rang, immerhin, aber die Leader werden wir wohl nicht mehr jagen können. Noch zwei Anstiege, dann die lange steile und sauschnelle Abfahrt auf Betonrampen nach Nago und als Zeitfahrteam über die Fläche nach Arco und nach 3.42 Std. im Ziel in Riva.

alles gegeben, aber es sollte nicht sein

Lausige 56 Sekunden fehlten uns zum 4. Etappensieg- der slowenische Fahrer des Leaderteams war platt- es sollte nicht sein. Gratulation an die verdienten Sieger

23) Overall Ranking Grand Master

          rank       num        rider name             UCI code               team         time                     

  1. 165-1 Damm Thorsten    GER19650506       Scott Fahrradladen Gudensberg 26:15.03,1 GER
                                        165-2      Vesel Peter        SLO19651208 —– SLO
  1.             102-1 Gerber Hansjürg       bikeholiday.ch/bike arena emmetten          26:42.23,6          SUI
  102-2      Christen Daniel                                                                                              +27.20 SUI
  1.             39-1 Alberton Alessandro ITA19661105     MB TEAM MACRO                           29:29.19,8     ITA
39-2        Zonta Daniele                                                                                              +3:14.16 ITA

Fazit:

Eine tolle, nein schlicht hervorragende Betreuung durch Beatrice, Hansjörg und Hanna als Physio , Verpfleger-Team und Freunde hat mir/uns die optimale Voraussetzung geschaffen trotz Widrigkeiten eine tolle und unvergessliche Transalp-Erfahrung zu machen. Hansjürg ist stärker, dessen war ich mir aber bewusst, doch meine muskulären Probleme und das unmögliche technische Pech hat unser wahres Potential leider nicht zugelassen. Trotz allem haben wir als Team genial harmoniert, hat Spass gemacht. Ich aber habe meine Lektion verstanden und werde die bitter nötige, aber leider jahrelang sträflich vernachlässigte Körperpflege für meine Muskulatur nun konsequent umsetzen.

Materialtechnisch war das Fully für meine ungeplanten Beschwerden rückblickend die richtige Wahl- ich wusste aber nicht, dass SRAM kein Tech-Team stellen wird und Shimano logischerweise am Konkurrenzprodukt kein Finger rühren würde- als mir dann noch durch die Blume mitgeteilt wurde, dass SRAM Produke und diese erst noch an einem Versender Bike ein Overkill darstellen war ich total bedient.

Mit dem gewonnen Startplatz für 2018 gibt’s ev. ein Comeback als Team bikeholiday.ch/bike arena emmetten- nun erst mal alles setzen lassen

PS; wie gut die Bike Transalp finanziell dasteht kann nur spekuliert werden- zwei Tage vor Rennende wurden die Profi-Teams informiert, dass 2017 kein Preisgeld ausbezahlt wird…

Dani

 

Bike Transalp 16-22.07.2017