Paar-und Einzelzeitfahren Fulenbach 23.09.2018

20km/65Hm

Segeln im Sturmtief Fabienne, das war heute beim kleinen aber feinen Zeitfahren von Daniela & Herbert auf abwechslungsreicher Strecke angesagt. Schon bei der Besichtigung mit Michi hat’s mächtig gerüttelt- da wird das Windschattenfahren huerä heikel- also lieber nicht allzu nahe dran bleiben, doch die Scheibe bleibt drin aber vorne nur die 60mm Felge.

14.00 der Start für die zwei Runden im Team, welche wir wie gewohnt sehr harmonisch absolvierten- wobei auch zu überholende Autos und Fahrer auf Streckenbesichtigung uns nicht aus der Ruhe brachten…einzig eine heftige Windböhe lies in einer rechts Kurve beinahe Michi’s Vorderrad einklappen-viel Glück gehabt- im Ziel mit klarer Bestzeit 🙂

Eine knappe  Stunde später um 15.23 mein Start als Einzelfahrer.

Frisch und spritzig ist anders, aber ich wollte nochmals einen guten Trainigsreiz setzen für die WM Quali in Varese in zwei Wochen. Fabienne gab nun immer mehr Gas, jetzt hätte ich wirklich nicht mehr als Team fahren wollen. Böen von allen Seiten liessen mich heftig an die Extension krallen und mit dem Popometer auf dem Sattel Rodeo zu reiten, um auszugleichen und irgendwie auf der Spur zu bleiben. Mit fast identischen Wattwerten des PZF im Ziel und äs Blüemli für Pia gewonnen 🙂 Nun nehme ich es eine Woche locker, dann fahren Hans-Urs, Ramon und ich den Trail Hero Bike Marathon in Titisee-Neustadt bevor dann am 06/07.10.18 in Varese  nochmals all out gefordert ist

Ride on

Dani

Paar-und Einzelzeitfahren Fulenbach 23.09.2018

King of the Lake am Attersee 15.09.2018

47.5km / 300Hm

Unglaublich! Es ist bereits September 2018 – und heute sind wir zum ersten Mal als Team unterwegs. Auf dem Programm steht der «King of the Lake Attersee» in Österreich, in der Nähe von Salzburg. Diese Herausforderung lassen wir uns nicht entgehen und Daniel als Titelverteidiger ist sowieso gesetzt.

Am wirklich frühen Freitagmorgen – um Viertel nach 2 Uhr holt mich Daniel in Stans ab. Eine unmenschliche Zeit, aber um flüssig über München nach Seewalchen am Attersee zu gelangen, verzichten wir auf ein paar Stunden Schlaf. Wir sind zu zweit, ganz ohne weibliche Begleitung, unterwegs. Aufgrund der schlechten Wetterprognosen bleibt sie leider zu Hause. So werden in diesem Jahr die vielen privaten Bilder von Pia fehlen. Aber vorweg – im nächsten Jahr ist sie ganz sicher wieder dabei!

Der Weg ist 570 Kilometer oder 6 Fahrstunden. Fast schon traditionell gibt es eine kurze Pause nach München – Kaffeezeit. Kurz nach 8 Uhr treffen wir im ****Hotel ATTERSEE ein und freuen uns auf das super Frühstückbuffet. Und weil die Zimmer noch nicht bereits sind, geniessen wir das Zmorgä dementsprechend lang und ausgiebig.

Während des Tages wird aus dem Hotel fast schon ein richtiges «Schweizerhaus». Daniel – ein weiterer – mit Familie und seinen Eltern, Nicole und Michi sowie Manfred sind anwesend. So sind wir eine aufgestellte und lustige Truppe beisammen und erleben tolle Stunden zusammen.

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Grau in grau….

Nicht ganz so toll ist das Wetter. Es spielt nicht wirklich mit und die vielen Regenwolken verziehen sich erst – zu spät – am Nachmittag. Daniel geht auf die Rolle und ich lasse mich unter die Bettdecke sinken. Der Schlafmangel in Kombination mit dem Alter fordern ihr Tribut. So wird nichts aus der Reko-Fahrt um den See. Für mich eine schlechte Ausgangslage, der TT-Racer kommt direkt aus dem Winterschlaf an den Attersee. Nur Manfred lässt sich nicht vom Wetter abhalten und fährt mit seinem Strassenrenner bei abtrocknender Strasse die Strecke ab. Er ist zum ersten Mal dabei, dafür hat er den Vorteil ein «alter» Zeitfahrhase zu sein.

Stattdessen geht es nach einem gemütlichen Freitagabend am Samstagmorgen nach dem Frühstück los. Wir fahren die ganze Strecke ab und ich bin mir nicht wirklich sicher, ob das eine so gute Idee ist, wenn ich mein Leistungsniveau in Betracht ziehe. Es ist definitiv nicht über alle Zweifel erhaben und einen haushälterischen Umgang mit den bestehenden Ressourcen sehr zu empfehlen. Nun denn, Daniel schafft es mir meine Zweifel in effizient kurzer Zeit auszureden und ich bin dabei.

 

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In Vollmontur zum Start….

So starten wir um halb 10 zusammen mit Nicole, Michi und den beiden Daniels. Die als gemütliche Runde deklarierte Fahrt ist für mich schon nahe am Renntempo :-o! Nach 90 Minuten sind wir zurück, Startnummer abholen, Sensor montieren und dann noch schnell die notwendigen kleinen Optimierungen am Racer vornehmen. Jetzt beginnt das lange Warten. Ich starte um 14:53 Uhr, Daniel muss sich bis kurz vor 5 gedulden.

Im 15 Sekundentakt werden die TT-Fahrer auf die Strecke losgeschickt. Und jetzt bin ich endlich dran, einklicken und schon geht’s die Rampe runter auf die Strecke. Sofort im Wiegetritt über die kleine Kuppe und dann umgehend die Aeroposition einnehmen und dann nur noch….. «geniessen»…

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Die Startrampe, wie bei den Profis…

Allerdings merke ich aber ziemlich schnell, dass mir die Spritzigkeit völlig abgeht. Die Morgenfahrt hat mich doch mehr hergenommen als befürchtet. Ich nehme Tempo zurück und mein Garmin pendelt sich bei 200 Watt oder zeitweise etwas darunter ein. Aber mehr geht beim besten Willen nicht – das Trainingsdefizit macht sich bemerkbar.

Dank meinen regelmässigen Yoga-Stunden und dem morgendlichen Training (kurz und intensiv) kann ich die Aeroposition problemlos halten, keine Krampferscheinungen in den Unterarmen. Das freut mich riesig, aber die Beine sollten noch etwas besser in Form sein…

Mit einer Zeit von über 1:19 Std. bin ich im hinteren Drittel platziert, aber in Anbetracht meines Leistungsniveaus geht das so in Ordnung. Mehr «Punch» geben die Beine einfach nicht her, daher muss ich mit dieser miserablen Zeit wohl oder übel umgehen, aber es wurmt mich natürlich trotzdem.

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Daniel C auf dem letzten Kilometer…

Mein Fazit:

Es hat mir extrem viel Spass und Freude gemacht! Einfach ein ganz geniales Feeling, eine tolle Strecke mit einem unvergleichlichen Ambiente. An dieser Stelle ein grosses Lob an die Organisatoren und die vielen unzähligen Helfer – eine grossartige Hammerveranstaltung! Einen besonderen Dank geht aber an Karin Tschany vom OK-Team. Dank Karin konnte ich überhaupt an diesem Anlass teilnehmen, weil ich meine Anmeldung „verpennt“ habe.

Eine Veranstaltung durch und durch auf Profi-Niveau in einer wunderschönen Gegend. In dieser lieblichen Seen-Landschaft macht es gleich doppelt so viel Freunde und das «Krampfen» ist zum Glück schnell vergessen.

In einer hoffentlich viel, viel besseren Form und verschiedenen Materialoptimierungen – ich danke euch für die vielen tollen Ratschläge und Tipps – müsste der Attersee 2019 ein Erfolg werden. Auf dem Weg dorthin habe ich mit einem neuen Helm angefangen und strebe eine Endzeit um 1:15 Std. an. Das werde ich schaffen! So werden die sixty-sixers am 21. September 2019 wieder an den Attersee pilgern.

Zum Schluss noch meine Gratulation für die tollen Leistungen von Nicole, Manfred und Daniel. Super Podestplätze – super stark gefahren! Und unbedingt zu erwähnen, der King of the Lake hat seinen Platz erfolgreich verteidigt und sogar noch eine gehörige Schippe draufgelegt – Chappeau!

Hans-Urs

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Der Neue ist der Alte….:-)))

Nach der Master WM in Varese noch voll im Saft, freute ich mich unglaublich auf das in jeder Hinsicht beste Zeitfahren Europas am Attersee. Das Ziel war glasklar vor Augen- den Schwellenbereich dieses Jahr auch wirklich über eine Stunde halten zu können.. Schmerzen sind vorprogrammiert-egal. Und tatsächlich, mit der Startnummer 1156 um 16.49.15 geht’s noch vor der mehrmaligen Queen of the Lake, bei besten Bedingungen von der Rampe- und die Beine drehen von Anfang an sensationell- schon fast meditativ mit sauberem rundem Tritt und konstantem Druck an der Schwelle knalle ich der abwechslungsreichen und niemals langweiligen Seestrasse entlang- total im Flow bis Km38 nach Nussdorf, da verspüre ich eine leichte Krise, die Beine rebellieren- muss mich zwingen die Leistung zu halten-  weiter über die 13% Rampe auf die letzten 4km, ansteigend vorbei an unserem Hotel wo Hans-Urs und Dani mir nochmals mächtig einheizen und mit Highspeed runter zur Seebrücke und komplett ausgeschossen ins Ziel (dann hat die Gesäss-Muskulatur zugemacht und laufen war nur ganz langsam möglich..)

Zeit: 1.01.32, Schnitt 46km/h und mit knapp 20Watt mehr auf der Kurbel absolut neue persönliche Bestzeit- super genial- konnte alles was geht abrufen- einfach Hammer- und der Thron der U60 Kategorie darf auch 2018 bestiegen werden 🙂

Aber auf den Lorbeeren ausruhen liegt definitiv nicht drin! Auf nächstes Jahr rücken sackstarke U50 Fahrer nach- ich muss also noch eine Minute finden!!

Ride on

Dani

 

 

 

King of the Lake am Attersee 15.09.2018

UCI Gran Fondo World Championships Varese-Italy 29.08.-02.09.2018

Mein Highlight des Jahres steht an. Die Master WM in Varese und viel näher wird wohl kaum mehr eine MWM organisiert werden. Entsprechend hoch waren dann auch die Wildcard Anfragen an Swiss-Cycling. Auch ich habe mich vorsorglich um Wildcard‘s für das Zeitfahren und Strassenrennen beworben, denn ich habe keine Qualifikationsrennen im nahen Ausland bestritten und Schweizermeister mit automatischer Qualifikation für die WM ist man erst, wenn das Rennen gewonnen ist- also lieber auf Nummer sicher gehen.

Die letztjährige WM Teilnahme in Albi FRA, krank und trotzdem auf dem undankbaren 4.Platz beim Zeitfahren, war über den ganzen Winter die grosse Motivation 2018 einen rauszuhauen. Hart waren all die Suicide Intervalls auf dem Ergo, der erste Lohn war der Gewinn des 3.Schweizermeister Titels in der Master 2 Klasse. Entsprechend motiviert und intensiv habe ich das Zeitfahrtraining weitergeführt- und nun ist der Tag X gekommen.

Am Montagmorgen fahren Pia und ich ganz entspannt den Katzensprung nach Varese. Einquartiert sind wir im kleinen aber heimeligen B&B Villa Adriana etwas ausserhalb von Varese- da treffen nun nach und nach auch unsere Schweizer Kollegen und WM-Teilnehmer des Zeitfahrens und Strassenrennen ein. Die Wetteraussichten bis Donnerstag heiss und trocken, Freitag und Samstag soll’s regnen, aber für das Strassenrennen am Sonntag  wird‘s wieder trocken und warm.

Bereits am Nachmittag geht’s mit Michi zur Reko auf den ersten Teil der Gran Fondo Strecke- auch die Zeitfahrstrecke können wir so wunderbar integrieren. Diese ist technisch trotz drei Kreisel und zwei unbeleuchteten Tunnels nicht sehr selektiv, aber durch das stetige sanfte auf-und ab und ohne Berg eine Drückerstrecke.

Am Dienstagmorgen, nach einem typisch italienisch süssen Morgenessen.. wird die Zeitfahrmaschine gepackt und die TT Strecke verinnerlicht- die Highspeed Tunnel ein-und Ausfahrt zweimal durchfahren, darin alle Schlaglöcher merken. Am Nachmittag geniessen Pia und ich auf City Bikes die wirklich sehr schöne Lago di Varese Rundfahrt.

Mittwochmorgen gegen 10.00 Uhr wollen Manfred und ich die Startunterlagen holen, danach nochmals locker um den Lago di Varese. Also runter ins Race-Village im Zentrum von Varese. Da stehen schon die ersten Teilnehmer und wollen ihre TT-Maschinen (inoffiziell) ausmessen lassen oder die Unterlagen holen. Klar strukturiert sieht anders aus. Wo welche Age-Group anstehen muss ist auch trotz lauten Anweisungen eines Funktionärs nicht ersichtlich-Getto pur, endlich stehe ich in der richtigen Reihe, dann wird’s erst so richtig spannend-Lizenz und UCI ID Nummer Kontrolle durch den Funktionär-Name suchen auf einer Teilnehmerliste-UCI ID Nummer (11stellig) von Hand beim Namen reinschreiben- ä Papierfötzel vom A4 Block abreissen und die Startnummer drauf schreiben (TT 339) und dasselbe Prozedere für das Strassenrennen (GF4058) und die Warteschlange wird immer länger…endlich Lizenz und die zwei Papierfötzel erhalten und zur Starterpacket Ausgabe. Kaum vorstellbar, dass wir uns über eine Anmeldeplattform angemeldet haben und die Lizenz als PDF hochladen mussten… nur ganz leicht genervt geht’s endlich locker und mit Cappuccino Stopp um den Lago. Gegen Abend nochmals auf die TT Strecke, was sich gelohnt hat, denn beim Wendepunkt bei Valganna wird am Renntag nicht wie offiziell beschildert um den Kreisel gefahren, sondern bereits vorher abgebogen..

Donnerstag-Renntag Time-Trial 22km/180Hm

Start erst sehr spät um 14.49 Uhr vor der Pferderennbahn Ippodromo. Also mehr als genug Zeit um ausgiebig das mittlerweile ernährungstechnisch privat leicht optimierte Frühstück zu geniessen. Danach die üblichen Rennvorbereitungen mit Startnummer montieren und Bike-Check, was nicht sehr viel Zeit in Anspruch nimmt- also ziehe ich mich um und mache eine kurze Rennradrunde nach Brinzio- einfach die Beine drehen und die Zeit totschlagen. Kaum zurück werde ich vom spontanen Besuch von Ramon überrascht- eine freudige und motivierende Überraschung. Langsam tickt die Uhr runter, die körperliche und mentale Anspannung nimmt kontinuierlich zu- 13.00 Uhr, rein in den Einteiler und rauf auf die Freilaufrolle einfahren. Die Beine fühlen sich sehr gut an, bin positiv nervös- ein gutes Zeichen. Kurz nach 14.00 Uhr geht’s in ET-Vollmontur die 2.5km runter ins Startgelände- Ramon nimmt mir sicherheitshalber die Trainingsräder mit- man weiss ja nie bei den miesen Strassenzuständen. 20Min. vor dem Start reihe ich mich in der Kontrollzone ein und lasse mein Bike auf der offiziellen Lehre ausmessen und mit einem Tablet auf Tech-Doping checken- alles i/O- rauf auf die Startrampe, tief durchatmen und den 30“ Countdown runterzählen- Go- volle Kanne raus und sofort in den max. Schwellenbereich – diesen gilt es nun unbedingt zu halten- ja und du spürst es sofort- heute ist ein guter Tag- super wie es dreht, die Leistung ist im Soll- rechts links und scharf links runter auf die Hauptstrasse hin zum ersten Kreisel- da steht Ramon und feuert mich an- ohne Risiko rechts rum mit Highspeed hinunter zum nächsten Kreisel bei Km3- sauber anfahren, durchziehen und jetzt geht es 6km zwischen 2-8% kontinuierlich ansteigend hoch- Schweiss in Strömen und schmerzende Beine, aber Trittfrequenz und Leistung im angepeilten Bereich- fühle mich prächtig- die nächsten 3km fast flach hin zum Wendepunkt „vor dem Kreisel“!! die Funktionäre wedeln wie wild mit Ihren orangen Flaggen, doch der vor mir gestartete Irländer ist wohl im tief roten Bereich und will partout um den Kreisel fahren…- ich bremse sehr spät an und ziehe sauber rum- nun alles auspacken – no pain no gain-

überhole den Iren und mit 68km/h in den ersten Tunnel, links bleiben und den Schlaglöchern ausweichen- rein in die letzte Fläche- rechts weg und auf der grossen Scheibe im Wiegetritt in den giftig steilen Anstieg, über die shit Betonschwellen hüpfen und scharf rechts weg hoch zum Ippodromo und all out ins Ziel- TOT-KAPUTT- ATEMNOT- gut so ! Bin total happy mit meiner Leistung- alles abgeholt was möglich war.

Zeit 29.48.65 und gespannter Blick auf die Digitale Resultatleinwand- dann geht’s schnell-bum bum bum- und der 66er ist auf dem 9.Rang- was für eine riesige Enttäuschung! Ich, aber auch Pia und Ramon sind erstmal sprachlos. Gesund und massiv stärker gefahren als 2017 und nun nicht mal unter den Top 5- hart zu akzeptieren! Gegen Abend, nach Analyse der Daten und Sichtung aller Schweizer Ergebnisse konnte ich meine Leistung realistisch einordnen und akzeptieren. Ich muss und kann neidlos zugestehen, dass das Leistungsniveau meiner Konkurrenten einfach brutal hoch und Sie entsprechend besser sind!

Fazit: ride on- have fun and there is always room for improvement…

Freitag und Samstag ist wie angekündigt eine Kaltfront anmarschiert, was Pia und ich nutzten um durch Varese zu schlendern und den ein oder anderen Cappuccino zu trinken. Ganz überraschend tauchen da plötzlich meine Schwägerin Lucia mit Knofi und Nina auf- Sie wollen mich an der Strecke anfeuern- super toll

Trotz kühlem nassem Wetter und schlechten Strassen sind viele unentwegte WM Teilnehmer nicht vom Outdoor Training abzuhalten- oh wie schön dürfen wir die Garage der Villa Chefin benutzen und da lockere Freirolle Einheiten mit Musik abspulen.

Sonntag- Renntag Gran Fondo 127km/1990HM

Bereits im Vorfeld habe ich meinem Squadra-Trainingskollegen Roger gesagt, dass ich das Strassenrennen als grosses Abenteuer betrachte , ohne grosse Erwartungen aber heil und gesund durchkommen will (mein letztes Strassenrennen war die Seeland-Classic 2014) Die Strecke ist mir nach den herbstlichen Reko-Ausfahrten letzten Oktober bestens bekannt.

Start meiner Age-Group 50-54 mit 406 Startern um 07.58 Uhr im zugewiesenen Startblock- und wie es zu erwarten war ist der Startblock um 07.20 Uhr bereits fast bis zuhinterst gefüllt.. also hinten anstehen- amüsiert zuschauen, wie sich UCI Funktionäre mit Tablet durch die Fahrer quetschen um Stichproben bez. Tech-Doping zu machen- so weit sind wir also!

Dann, 7 Minuten nach Roger’s Age Group 45-49 fällt unser Startschuss und sofort all out nach vorne preschen- habe genau 12km bis zum Anstieg zur Alpe Tedesco Zeit um mich vorne einzureihen, denn da wird das Feld definitiv zerrissen und die Spitze formiert. Bis es aber soweit war mussten einige hoch intensive Intervalle durch Varese gesprintet werden, eine Vollbremsung bei knapp 60km/h nach dem Ippodromo vor dem Kreisel in die Viala Valganna, und mit vieeel Glück um zwei in sich verkeilte stürzende Fahrer und Karbonspeichen-Regen zirkeln…durch die zwei dunklen unbeleuchteten Tunnels war so ziemlich jeder Muskel wie ein Stahlseil gespannt-hässliche Geräusche von Stürzen und Fluchen im Nacken. Einigermassen gesittet schaffen wir es danach in den erlösenden Anstieg zur Alpe Tedesco und dan geht wie erwartet die Post ab- mit super Beinen schaffe ich bis oben den Anschluss an die Italienische Mannschaft an der Spitze- rein in die enge schnelle Abfahrt- idiotische Überholmanöver on Mass- aber ich bin dabei. Dem Luganer See entlang wir die Taktik der Italiener klar, sie haben Ihren Favoriten und seine Helfer im Wind und wir auswärtigen sollen gefälligst möglichst viel mitführen- könnt ihr haben- ab Brusimpiano forciere ich nun in jedem der noch folgendem Anstiege das Tempo von vorne- es ist mein persönliches Abenteuer und ich will Rennen fahren, nicht taktierenist es für mich hart, müssen auch die anderen Leiden und hinten raus bin ich stark. In den Flächen von Luino nach Porte Valtravaglia fahre ich aber nur sehr kurze Ablösungen, der Italo-Leader versteckt sich. Im Hinterland ab Mesanzana holen wir bereits die ersten Fahrerpulks des Medio Fondo ein- nun wird’s total unübersichtlich und in den schnellen engen Abfahrten und Kurven extrem gefährlich- so krass sind die fahrtechnischen Unterschiede- die Schutzengel haben Extraschicht… Im 7km langen Aufstieg nach Brinzio übernehme ich wieder die Initiative fahre mit guten Druck alles von vorne hoch- und unsere Gruppe wird stetig kleiner- fast oben erwarten mich Pia und Fan’s- mit Nidwaldner-und Schweizerfahne werde ich begrüsst und Pia reicht mir höchst konzentriert bei über 30km/h ein Bidon.. ist halt keine gemütliche Bike Marathon Verpflegung.

Nun sind die gröbsten Höhenmeter durch, aber noch immer sind wir gegen 10 Fahrer und in der Fläche am Lago di Varese kann sich keine Fluchtgruppe absetzen- zweimal versuche auch ich einen Ausreissversuch, doch die Mitfahrer sind leider nicht stark genug-Abbruch- was soll ich machen ? Im Sprint habe ich gegen den Italo Leader keine Chance- beim Km123 im Kreisel hoch nach Varese greife ich an- und wie es zu erwarten war springt mir der Italo ans Hinterrad- einer nach dem anderen muss abreissen lassen- die Flamme Rouge- nochmals auf Anschlag kicken- die letzte Kurve, dann sprintet der Italo an mir vorbei, ich will dran bleiben doch mein Tank ist leer und trotz Tigersprung muss ich mich noch um Zentimeter von einem Deutschen geschlagen geben. Trotz allem-was für ein geiles Rennen- es war mein Abenteuer, voll auf Angriff und gespickt mit Emotionen, hat unglaublich Spass gemacht.

PS: in der ganzen Rennhektik habe ich nicht bemerkt, dass der TT Weltmeister aus Canada und ein Italiener uns bei Brusimpiano vor dem zweiten Anstieg entwischt sind… so wird aus dem emotionalen Podestplatz ein etwas beschissener 5.Rang

Fazit:

Alles falsch gemacht ,zu viel Initiative ergriffen, unnötig Körner verschossen und daher im Sprint chancenlos um die so schöne Bronze Medaille? Vielleicht- aber „hätte wenn und Aber“ zählt nicht – ich bin mein persönliches Abenteuer mit Leib und Seele gefahren und habe unbezahlbare Emotionen- und um das geht es uns Amateure ja schlussendlich- erfahren dürfen.

Es war eine tolle und unterhaltsam lustige Woche zusammen mit Sportkameraden/innen in der herrlichen Lombardei.

Ein grosses herzliches Dankeschön an Pia und Familie für die jederzeit so wertvolle Unterstützung.

Und herzliche Gratulation an Roger zu seinem fantastischen 3.Platz in der Age Group 45-49- du hast es total verdient!

Ob ich nächstes Jahr auch in Polen dabei sein werde ? Erst mal alles setzen lassen

Ride on

 

UCI Gran Fondo World Championships Varese-Italy 29.08.-02.09.2018