UCI Grand Fondo Championships Poznan / Polen 29.08.-01.09.2019

uci

Nach der Zeitfahr-Schweizermeisterschaft, die ich nicht gerade mit einer Topleistung absolvieren konnte, nahm ich etwas raus um mich fokussiert auf die Amateur Master WM in Poznan Polen vorzubereiten. Dazu gehörte im Juli die Teilnahme am Teamzeitfahren in Sulz zusammen mit Paul- und da fand ich auch meine Beine wieder- einfach herrlich wenn es dreht. Das national Bernische Einzelzeitfahren am 1.August in Bleienbach war die nächste Bestätigung, dass die Form stimmt. Als letzter Schliff sollte zwei Wochen vor der WM der Rothaus Bike Giro mit vier kurzen knackigen Etappen dienen. Auch da lief es super- immer auf dem Podest der alten Säcke, aber gegen einen 55kg Grand Master war mit meinen 79kg einfach kein Kraut gewachsen- viel wichtiger aber, ich bin förmig. Die Woche darauf nur noch kurze intensive Einheiten, Material Check und in der Nacht auf Sonntag die lange Fahrt nach Posen ins Tomarowa Apartment , zusammen im Konvoi mit Manfred, Felix und Ella.

Die Fahrt easy ohne Stress mit genügend Pausen. Einchecken am späten Nachmittag für das Apartment zuoberst im 16. Stock mit fantastischer Sicht über Posen.

Apartment

Die Wetteraussichten Hochsommerlich bei über 30°C- genial- so können Pia und Ella die Sehenswürdigkeiten der Stadt abmarschieren und wir bei bestem Wetter die Grand Fondo und Zeitfahrstrecke abfahren. Mein Fokus ist und war immer klar auf das TT Rennen als mein Highlight des Jahres ausgelegt, das Strassenrennen nehme ich wiederum als grosses Abenteuer in Angriff.

Montag schon gegen 09.00 Uhr, um der Hitze zu entgehen, gehen wir zusammen auf die Besichtigung der Strassenrennen Strecke, bis sich bei Km40 die Medio und Gran Fondo Strecken teilen. Nun bin ich für 110km alleine unterwegs- heiss, sehr schnell da total flach, feiner Belag, Abschnitte mit Kraterfelder und Schlaglöcher, unendlich lange Geraden zwischen Baum-Alleen und viel Gegenwind- wenige Kurven und keine technische Anforderungen..

supermarkt
Heiss-Durst- und polnisch ist nicht zu verstehen

Frage auf Strava an meine Kollegen; wie kriegen wir hier all die Heuer im Feld los ?? Antwort von Roger: es wird viele Stürze geben und Windkantenstaffeln- also konzentriert vorne fahren ! Klingt logisch, macht mir aber echt Sorgen.

Dienstag geht’s mit dem Auto 45‘ hinaus in die Pampas zum Bednary Driving Center um die Zeitfahrstrecke über 18.3km und 51 Hm abzufahren- Eindruck; Roller Strecke da Flach- enge schmutzige Gegenverkehr Kurven- und viel Wind- ansonsten technisch anspruchslos.

Mittwoch den Start und Zielbereich der Strassenstrecke abfahren, alles verinnerlichen und ab zur Akkreditierung und Kontrolle der TT-Maschine. Und ja, die Polen haben wohl das Desaster in Varese mitbekommen- ziemlich speditiv werden uns die Race Packages ausgehändigt. Auch die Schlange an der Ausmesslehre ist nicht zu lange- alles ok- nur das Bike von Manfred muss noch einer gröberen Anpassung unterzogen werden- die Extension sind zur Armauflage zu hoch- man(n) sollte halt nicht noch kurz vor der WM rumbasteln..

Donnerstag-Renntag Time Trail 18.3km/51Hm                                                             

Start Age Group 50-54 mit der Startnummer 787 um 13.17.30. Entsprechend früh geht‘s am Morgen los, raus zum Bednary Driving Center- Schattenplatz suchen, den heute soll es gegen 33° heiss werden- einrichten, Startgelände erkunden, dann einfach nur rumhängen und im Gras dösen.

TTwarmup1
Warm-up von Manfred und Felix

Exakt nach Zeitplan geht’s 11.30 Uhr auf die Freirolle ins Aufwärmprogramm- mit Kühltuch und Eis Spray kühlen so gut es nur irgendwie geht- 12.00 runter von der Rolle-Schweiss abtrocknen-Gel rein- Überschuhe hochziehen, Helm auf und nervös zum Startbereich zur Bike Kontrolle- Motor Doping Scan ok- rauf auf die Rampe und mein Puls rast urplötzlich in unerklärlich hohen Sphären…somit ist mein Rennen bereits hier und jetzt gelaufen-Herzrasen- ich könnte schreien, weinen…. Countdown und ab mit Drehzahlbegrenzer. Bis zum Wendepunkt möchte ich am liebsten einfach nur die Beine hängen lassen, kämpfe mit Emotionen- wenden fast im Stillstand um die Pylone und im Wiegetritt wieder raufbeschleunigen- hallo-was ist passiert? nun dreht mein Motor plötzlich Vollgas und die letzten 9.2km kann ich über 100% abrufen- voll auf Anschlag rein auf die Rennpiste

TT Race
ohne Worte

und dem Erbrechen nahe in 24.49.51 ins Ziel- mit 30 Watt unter der Normalleistung reicht es zum 10.Rang mit gerademal 47“ Rückstand auf den Sieger- es ist zum kotzen. Die ehrliche Selbstreflektion zeigt auf, dass ich mit selbstauferlegtem Erwartungsdruck (und nicht zum ersten Mal) nicht umgehen kann- so viel investiert- super Form und Beine um zumindest ein Top five Ergebnis zu erreichen- zerbrochen an mir selbst- riesige Enttäuschung-Brutal.

Freitag auf das Rennrad-Kopf lüften und erneut den Start-und Zielbereich in einer 50km Schleife abfahren- erneut brutal heiss. Auf Grund der teils miesen Strassenverhältnissen und Rat von Manfred montiere ich an meinen Aerolaufrädern anstelle der TT Reifen pannensichere Continental 5000.

Posen

Heute Abend essen wir mal auswärts in der malerischen Altstadt polnische Pierogi Gerichte und trinken guten Wein- Balsam für die Seele- das Leben ist schön.

Der Samstag ist Race-Prep Tag- wir Schweizer, zusammen mit Uli dem deutschen Weltmeister und Team Estonia, gehen die Beine drehen und letzter Material Check. Die neuen Pneus laufen gut und geben mir die Sicherheit nicht auf Grund von schlechtem Material das Rennen zu verhauen. Ich gebe es zu, mir ist Angst und Bange wenn ich daran denke mit 270 Age Groupern die 151km/451Hm unter die Räder zu nehmen. Ein Radler am Nachmittag mit Pia und Manfred im kühlen Biergarten und Älplermagronen zum Znacht im Apartment von Ella und Felix, bei einem guten Glas Wein entspannen wunderbar.

Biergarten

Meine Form könnte kaum besser sein und äs chund wiäs chund- Velofahre chasch ja oder..

Sonntag-Renntag Gran Fondo 150km/451Hm

Start der Age Group 50-54 um 09.28 Uhr- bereits 45‘ vorher finde ich mich im Startblock ein und small talke mit den Italienern.

Die Favoriten sind ganz vorne platziert- ja, vorne hat’s immer Platz- das wird eines meiner Moto für heute sein. Möglichst all den Heuern hinten aus dem Weg gehen. Pünktlich wird die Meute losgelassen, das Abenteuer kann beginnen- absolut konzentriert sprinte ich nach vorne- full stopp- Chaos pur, wir haben das Leaderauto überholt und müssen dies nun irgendwie wieder nach vorne lassen- dann erfolgt der offizielle Start. Meine Position ist immer rechts und möglichst weit vorne- da sind meist die erfahrenen routinierten Fahrer-weniger Stress- raus aus der Stadt auf breiter Strasse. Nach 5km steht schon die erste Ambulanz-drin sitzt ein vom Asphalt geschundener Fahrer. Bei km9 die erste scharfe rechts Kurve weg von der Hauptstrasse in eine schmalere Nebenstrasse- und nicht weiter verwunderlich kracht es hinten schon mal richtig heftig.

imFeld

Bei jeder der wenigen noch folgenden Richtungsänderungen werden durch blödsinnige Bremsmanöver und Wellen Fahrer zu Boden geschickt-zur rechten Zeit am richtigen Ort sein- und dann verhaken sich bei km50 zwei vor mir und reissen gleich weitere mit zu Boden-Vollbremsung, reflexartig ausweichen mit Jump über ein Vorderrad- huerä Glück gha und im Sprint wieder nach vorne. Im Dorf Pinne bei km60 ist die erste und wirklich ernennungswürdige längere ansteigende Welle mit Seitenwind- war mir schon bei der Reko Fahrt klar, dass hier die ersten konkreten Angriffe erfolgen werden. Prompt bilden sich Windkantenstaffeln und vor mir wird die Lücke nicht geschlossen-shit- sofort auf Anschlag der Spitzengruppe hinterher und meine Beine drehen fantastisch. Oben auf der Welle die erste Verpflegungsstation-und Witz lass nach, gemäss Rider Briefing am Vorabend sollen wir absteigen und selber Wasser holen.. an einer WM, die höchste sportliche Herausforderung für uns Amateure- einfach nur lächerlich. Ich habe zwei Bidon mit einer grösseren Prise Salz drin dabei-muss reichen. Fast logisch, dass nun dutzende von Helfer am Strassenrand stehen und Bidon oder Musette reichen- ein Fahrer vor mir macht Anstalten von seinem Helfer eine Musette zu erhaschen- drücke mich vorsichtshalber vorbei und schon knallt’s heftig-die Musette im Lenker verheddert…zur Richtigen Zeit am richtigen Ort ! Nun holen wir immer mehr Medio Fondo Altersgruppen ein und plötzlich sind auch die Frauen in unserem Feld- dies macht anscheinend den einen oder anderen Fahrer nervös- blödsinnige Positionskämpfe/Macht-und Ego Gehabe und schon knallt gewaltig neben mir- hysterisches Frauengekreische und heftige Knackgeräusche von Mensch und Material- ein Gemetzel! Vorne lanciert Bruce Bird Attacke um Attacke und sofort springen Ihm alle ans Hinterrad- ich schaue zu und warte-noch ist es viel zu weit ins Ziel- zu viel Gegenwind auf den langen Geraden. Im weiteren Rennverlauf bis zur zweiten Verpflegung bei km103 wird vorne immer wieder gebummelt, was mich veranlasst zwei drei Mal rauszuknallen, doch keiner will richtig mitfahren-Abbruch, rechts ran, einordnen und konzentriert bleiben. So bei km120 bin ich bei einem deutschen Fahrer und frage ob jemand rausgefahren sei- „ja, das Führungsmotorrad ist nicht mehr vor uns“ tatsächlich, habe ich doch wieder den Postabgang verschlafen und fast logisch, es ist der Kanadier Bruce Bird mit der Nummer 909 die fehlt- ist ja mit seiner Körpergrösse im Feld kaum zu übersehen. Shit- irgendwo in einem kleinen Dorf bei Km90 hat der letztjährige Doppelweltmeister Bruce eine Attacke lanciert. Nun rotiert es in meinem Kopf und schon knalle ich volle Kanne aus dem Feld raus- will ich dem Massenprint mit den noch immer 50Mann starken Feld aus dem Weg gehen und eine Medaille gewinnen, muss ich jetzt alles in eine Waagschale werfen und die 25km bis in Ziel als Zeitfahrer runterhauen- wie sagt mein Freund und Teamkamerad Hans-Urs doch immer ; „wir verdienen unser Geld nicht mit Velofahren“ also all in !

Ein Belgier springt sofort an mein Hinterrad- will Ihn in die Ablösung bringen- er verweigert- Kraftausdruck auf Englisch- drücke noch mehr und weg ist er. Jetzt oder nie, lasse keine Zweifel aufkommen und drücke mit Hammer Beinen eine super Pace- ein Blick zurück, das Feld schaut sich an- keiner hebt den Arsch- gut so, darauf habe ich gehofft- Unterlenker und Blick nach vorne. Nach ca.4km sehe ich ein Führungsmotorrad und Auto vor mir- es ist tatsächlich Bruce, sehe das Kanada Wappen- ein massiver Motivationsschub lässt mich geradezu zu Ihm hinfliegen- gehe sofort vorbei und rufe „come on let’s work together“ und er sagt „I need a rest, I’m not a machine“ Ich glaube nicht recht zu hören und frage, ob er mit mir spiele- toter Mann spielen und dann mich runter spurten- No I’m not playing with you- zwinge Ihm eine Führung auf, doch da fehlt der Druck- rufe ihm zu; come on they gone catch us if we don’t push hard !

break mit Bruce
all in

Doch da kommt zu wenig- übernehme nun wirklich lange Ablösungen bis 10km vor dem Ziel, da lasse ich meinem Ärger freien Lauf und sage zu Ihm ; hey you’re the defending World Champion, what’s going on ??? Er übernimmt eine kurze Führung, aber nun ist für mich klar, dass er nicht spielt, er ist kaputt und kann sich gerade so in meinem Windschatten halten. Noch 5km und das Kopfkino dreht, einfach nicht übertölpeln lassen, wachsam sein- ihn nochmals in den Wind setzen. 2km vor dem Ziel fahren wir in eine andere Age Group rein – gar nicht gut- denn nun sind wir voll in deren Massenprint drin- sehe Bruce links von mir im Pulk sprinten- all out und mit Leichtigkeit sprinte ich durch jede Lücke auf die letzten 150m ins Ziel

Finish
real or not ?

UNGLAUBLICH ICH BIN WELTMEISTER– schreien und weinen alles auf einmal- nach dem Ziel werde ich von Bruce umarmt- er gratuliert und bedankt sich, dass ich Ihm die Silber Medaille ermöglicht habe- ein fairer und echter Sportsmann. Keine Zeit um weiter zu plaudern, schon steht der UCI Funktionär bei mir und plombiert mein Bike und gibt mir ab jetzt 30‘ Zeit um mich bei der Dopingkontrolle in Gate 7 zu melden. Pia begleitet mich und gibt mir erstmal die dringendst benötigten Getränke

Endlich komme ich nach Jahren in den Genuss einer Dopingkontrolle- zuerst wird mein Bike auf Tech-Doping und Gewicht getestet. Dann erfolgt die genau Instruktion durch UCI Kommissär Mr.Smalles zur Dopingkontrolle Prozedur, welche aber nicht ohne einen offiziellen Ausweis oder Lizenz erfolgen kann- hektische Telefonate mit Pia und Manfred, welcher mir dann im Hotel, nach suchen und wühlen in meinem Gepäck, ein WhatsApp Foto mit meiner UCI Lizenz sendet. Als erster der 10 definierten Probanden kann ich die A und B Probe dem Reglement entsprechend mit Urin füllen- auf eine Blutkontrolle wurde vermutlich aus Kostengründen verzichtet, was ich persönlich sehr bedaure.. mit „No news are good news” werde ich verabschiedet.

Ab 15.00 Uhr finden die Siegerehrungen mit Weltmeister Trikot, Medaillen und National Hymne statt- sportlich der ergreifendste und emotionalste Moment in meinem Leben, den ich nie vergessen werde.

Podium
Ein Traum wird wahr- Danke für alles

Alles ist auf den Punkt perfekt zusammen gekommen- Top Form, technisch und taktisch alles richtig gemacht, das nötige Glück und- ich wollte tatsächlich endlich mal kein Geld verdienen sondern einfach Velofahren….

Wer Lust hat kann auch auf Strava den Rennbericht von Bruce Bird lesen- geschrieben von einem wahren Sportsmann- Bruce, du hast meinen vollsten Respekt

Ride on

Dani

UCI Grand Fondo Championships Poznan / Polen 29.08.-01.09.2019

Squadra Trainingslager auf Mallorca 17.03.-24.03.2019

Auch dieses Jahr ist die Squadra nicht in Vollbesetzung ins Trainingslager eingerückt. Hans-Urs genoss anstelle seine Honeymoon Reise mit Andrea. Dafür verstärkte uns kurzfristig Marc- wir werden dieses Jahr erneut ein MTB Etappenrennen zusammen bestreiten.

Roger als unser „Capitaine de Route“ führte uns auch dieses Jahr wieder auf neuen Routen durch die herrliche Insel- super. Harte Einheiten am Berg, Windstaffeln mit Kantä Figgä und natürlich unsere schon fast legendären all out Finale- ja alles war dabei- täglich heftiger Wind und überraschender Regen und Kälte am Coll D’Honor.

Einmal mehr in jeder Beziehung eine tolle Woche- super kameradschaftlich, physisch fordernd und höchst motivierend- Danke an alle

Die Grundlage für eine spannende Saison ist gelegt

Ride on

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Squadra Trainingslager auf Mallorca 17.03.-24.03.2019

06-07.10.2018 Tre Valli Varesine Gran Fondo UCI WM Qualifikation 2019

Eine lange und intensive Saison neigt sich mit diesem Race Weekend definitiv dem Ende zu. Noch voller WM Emotionen und Rennfieber habe ich mich schon drei Tage später für diesen Qualifikations-Event im Zeitfahren und Strassenrennen zur WM 2019 in Possen/Polen angemeldet. Zwei Wochen später beim King of the Lake noch voll im Saft fühlte ich bei den anschliessenden Rennen in Fulenbach und Trail Hero langsam aber sicher eine zunehmende, auch Mentale Müdigkeit- also nochmals aufraffen und all out. Ziel ist es bei beiden Rennen die Qualifikation zu schaffen, konkret innerhalb der ersten 25% der Starter zu sein. Beim Zeitfahren mit 18 Angemeldeten somit unter den besten vier !

Anreise bereits am Freitagmittag. Mit dabei sind auch Felix und Manfred vom VC Ehrendingen (Age-Group 60-64) Perfekt einquartiert gleich neben dem Start der Zeitfahrstrecke beim Ippodromo im Hotel Atahotel Varese.

Am Nachmittag geht’s bei bestem Wetter auf eine lockere Reko-Fahrt der Zeitfahrstrecke und einen Teil des Strassenrennens. Für das Wochenende ist aber leider eine hohe Regenwahrscheinlichkeit prognostiziert..

 

 

 

Individual Time Trial 22km/175Hm

Samstagmorgen, der Himmel bewölkt aber noch trocken, die Startunterlagen holen (eindeutig weniger Chaos 🙂 ) und zurück ins Hotel. Es verbleibt mehr als genug Zeit um Chip und Nummer zu montieren- Start um 15.37.30. Gehe über die Mittagszeit in der Tiefgarage 40‘ auf die Freirolle-

hilft den Organismus zu wecken und die aufkommende Nervosität im Zaum zu halten- danach im Zimmer Zeit totschlagen bis zum Warmfahren gegen 14.45 Uhr- Helm auf und zum Start, es ist trocken aber kühl- UCI Bike Check- alles i/O und in den Warteraum- mit der Nummer 76 auf die Rampe und mit dem letzten Countdown 2018  nochmals all out. Die Strecke noch bestens bekannt, finde schnell in den Rhythmus, bin im Flow- es dreht absolut super gut- kaum Wind- die Zeit vergeht wie im Fluge- fast schon meditativ- Kreisel-Tunnel-Wendepunkt-Highspeed zurück-Tunnel- Schlaglöcher- die kurze Rampe hoch zum Ippodromo und auf Anschlag im Ziel in 29.35.45- klare Age-Group Bestzeit und sogar Overall Tagesbestzeit- Wow.

Mit typisch italienischer Verspätung dann die Siegerehrung im Race-Village mit UCI Qualifier Sieger Trikot und Medaille, überreicht gemäss Speaker durch „Super VIP“ Maurizio Fondriest, einer italienische Radsportlegende.

und als Tagesschnellster noch eine Spezial Prämierung mit netter Dame 🙂

Manfred und Felix runden mit Ihrem zweiten und dritten Platz unser tolles Ergebnis ab- bei gutem Italienischem Essen und einem Glas Rotwein feiern wir unser Resultat und die geschaffte WM Qualifikation 2019

Gran Fondo 127km/1990Hm

Start um 09.35 im zugewiesenen Age Group 50-54 Startblock- bin um 09.10 Uhr da und wie zu erwarten war schon total gefüllt, das nun doch tolle Herbstwetter hat wohl viele Nachmelder akquiriert-shit-kurzentschlossen entlang der Absperrung nach vorne, Bike und Rider rüber hieven- sehr gut, ca. 300 Positionen gut gemacht…gemäss Speaker sind über 500 Fahrer gemeldet, viele werden aber dann auf den Medio Fondo abbiegen, da Sie keine WM Qualifikation beabsichtigt haben. Mit AC/DC’s Highway to Hell geht’s pünktlich los und like Hell knalle ich nach vorne und platziere mich in einer möglichst sicheren Position aussen rechts. Heute ist sogar der Tunnel beleuchtet- ein gutes Gefühl so ohne Schreie und Sturzgeräusche.. ohne Zwischenfälle zum ersten und echten Scharfrichter hoch zur Alpe Tedesco- und da gibt der WM zweite im Italo-Jersey mal kräftig Gas, bleibt zwar noch in Sichtweite aber ich leide gröber. Schnell zeigt sich mit wem ich heute die Runde fahren werde- in die schnelle enge Abfahrt und beim zweiten Anstieg bei Brusimpiano verabschieden sich mit dem Leader noch zwei andere Italos- unmöglich denen zu folgen. Zu viert (zwei Italiener und zwei Schweizer) versuchen wir nun mit fast schon harmonisch sauberen Ablösungen (natürlich nicht ohne ständiges Jammern Sie seien kaputt und könnten nur noch kurze Ablösungen fahren- du bist so schnell usw-blablabla- mein Kommentar; let’s Race !) den Schaden in Grenzen zu halten und holen tatsächlich bei Km110 zwei Ausreisser ein- nur das Italo-Jersey ist definitiv weg. Also geht es jetzt um die letzten zwei Podest Plätze (diesmal irre ich mich nicht..) und die Harmonie ist schlagartig weg- zweimal sprinte ich entlang dem Lago di Varese raus, werde aber umgehend gestellt, leider von jüngeren die wir eingeholt haben und in deren Windschatten fast gratis, meine direkten Konkurrenten 😦 Die letzten 4km hoch nach Varese werden also entscheiden- halte mich zurück und tatsächlich greifen die zwei eingeholten Italos an- gehe mit, versuche aber nicht zu überdrehen-komme wieder ran-fahre vorbei, habe aber keine Reserven um nun den Konter zu setzen-Flamme Rouge und wieder sprinten die zwei los- nun alles oder nichts hinterher- einer muss absitzen, gehe vorbei und mit Brechreiz und total blauen Beinen als dritter im Ziel- so affengeil-Zeit 3.39.53

Die Siegerehrung verpasse ich leider im ganzen Durcheinander mit zu knappem Organisation-Zeitplan, Transponder Abgabe und Hotelcheck-Out – schade aber die Emotionen sind für immer gespeichert 🙂

Nun aber ist mein Pulver verschossen, kein Bock mehr auf Startnummern und Laktatschwemme. So endet mit diesem top Highlight auch meine extrem spannende und emotionsgeladene Saison 2018 – danke für alles.

Ride on

Dani

06-07.10.2018 Tre Valli Varesine Gran Fondo UCI WM Qualifikation 2019

Trail Hero am Titisee-Neustadt 30.09.2018

„Trail Hero am Titisee“?! Nie gehört, so war meine Reaktion als mich Daniel im Hochsommer angerufen hat. Ein fast unmöglicher „60 % Trailanteil“ soll das erstmalige Bikerennen aufweisen und das im Schwarzwald mit der berüchtigten 2-Meter-Regel. Kaum zu glauben, aber auf der Homepage steht alles genau so geschrieben uns das ganz witzig produzierte Video passt perfekt und macht richtig gluschtig sich gleich anzumelden.

Wahlweise eine oder zwei Runden kann gefahren werden, pro Runde sind 1’250 Höhenmeter zu bewältigen und das Beste: Während dem Rennen kann jeder spontan entscheiden ob man(n) sich die 2. Runde antun möchte…

Kurz entschlossen melde mich sogleich an und konfrontiere Daniel mit meiner Anmeldung. Gehörig unter Druck jetzt, wird noch schnell Ramon überredet das Iron-Bike-Rennen in Einsiedeln sausen zu lassen und mit den „Alten“ den Trail Hero zu befahren. Diesmal sind Pia und Andrea mit dabei und unsere 5’er Truppe bereit für das Helden-Abenteuer bei Neustadt am Titisee. Wir sind am Titisee einquartiert für 2 Nächte, Christen’s können nur eine Nacht buchen, da ist die Suche nach einer passenden Unterkunft nicht ganz einfach. Wegen den beginnenden Herbstferien, haben wohl die Hotels wenig Lust, ihre Zimmer für nur eine Nacht herzurichten – denen scheint es richtig (zu) gut zu gehen…

Plan

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Am Samstag geht zur obligaten Rekoinspizierfahrt, wir treffen uns um die Mittagszeit bei bestem Wetter im Startgelände bei der Hochfirstschanze. Daniel und Ramon treffen nach einem Riesenumweg J vom Hotel zum Treffpunkt mit leichter Verspätung ein und schon geht’s auf einen Teil der Strecke. Die Test-, respektive Trainingsstecke bestätigt die Versprechen des Organisators (Profi Simon Stiebjahn vom Bulls-Bike-Team), super Strecke bergauf und bergab – wir können uns freuen! Das wird ein Bikefest am Sonntag!

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Dann abends gemeinsames Essen in unserem Romantik Hotel Treschers****, wunderbar getafelt und dann zeitig, voller Vorfreude geht’s zu Bett.

Da der Start erst um 10.30 Uhr abgesetzt ist, so kann für einmal das Frühstückbüffet in vernünftigem Mass genossen werden

Kurz nach 10 Uhr treffe ich im Start-/Zielgelände ein und suche den richtigen Startblock für mich, die sind nämlich nach Zeiten für eine Runde beschriftet. Der Bock D mit 1:50 bis 2:00 Stunden scheint mir realistisch, also sofort rein ins Getümmel, der Block ist nämlich bereits gut gefüllt.

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Im 2 Minutentakt geht’s dann schon los, das Rennen beginnt. Das übliche Gerangel und Hektik in den ersten Kurven findet komischerweise nicht statt, alles läuft in geordneten Bahnen ab. Vielleicht liegt es am relativ kleinen Startfeld, knapp unter 300 Fahrer sind gemeldet. Schnell habe ich meinen Rhythmus gefunden, ja nicht auf der ersten Runde „überzocken“, wenn ich schon da bin, will ich zwei Runden absolvieren. Die fiesen Rampen im letzten Drittel der Runden schmerzen gewaltig, schon kommen die ersten (negativen oder vernünftigen) Gedanken „Hans-Urs – Lass es gut sein, eine Runde reicht bei deinem Niveau.“ Jetzt muss ich mich entscheiden, ich fahre die steile Auslauframpe hoch: links zum Ziel oder rechts auf die zweite Runde?! Trotz müden Beinen, die 2. Runde muss einfach sein, selber Schuld, wenn du (zu) wenig trainiert hast. Plötzlich merke ich, da ist keiner mehr. Da waren wohl meine „Mitstreiter“ richtige „Weichbecher“ oder einfach nur vernünftig. Alle wählten den direkten linken Weg ins Ziel. Nun denn, so fahre ich halt nun praktisch mutterseelenallein die zweite Runde ab.

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Nur 36 der 214 gestarteten Hobbyfahrer haben die 2. Runde absolviert, all diese sind die wahren Heros! Ich bin auf der 2. Runde sogar schneller unterwegs gewesen, eher unüblich, aber in der ersten Runde hat es doch ab und zu gestockt. Auch musste kurz nach dem Start den Sattel nachziehen, noch nie passiert, muss beim nächsten Mal vorher die Schrauben checken. Dies zeugt nicht von einer seriösen Vorbereitung, nur mit einer Luftdruckkontrolle ist es eben nicht getan…

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Die 2. Runde macht wirklich Spass, auf der ganzen Runde konnte ich doch noch 5 Fahrer überholen, ansonsten geniessen der Strecke und gegen Ende musst ich aber ganz, ganz hart beissen, die fiesen kleinen Rampen ziehen mir fast den Stecker. Trotz allem einen ganz kleinen Schlusssprint hingelegt, mit 4:45 Stunden im ganzen hinteren Teil vom Feld gelandet. Macht nichts, für mich bin ich der Held. Sehr glücklich und extrem zufrieden geht’s zum Duschen ins Freibad.

Fazit: Eine absolute „geile“ Strecke bergauf und auch bergab, für richtige Biker mit Renngenen einfach ein Muss! Ein kleines Verbesserungspotential gibt es nur bei den Verpflegungsstellen, im Startgelände gehört noch ein zusätzlicher Posten für 2-Runden- Racer hin, ohne meinen Notprivat wäre ich direkt in einen Hungerast „gerast“…

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf’s 2019!

Hans-Urs

Nachtrag: Besonders toll ist das Goodie – die Foto’s des Sportfotografen können sich die Heroes kostenlos downloaden – Super Sache!

Dank einem Tipp von Bike-Kollege Michi aus DE wurde ich auf dieses erstmalig ausgetragene Bike-Race am Titisee aufmerksam gemacht- und das Format mit vielen Trails und nicht zu langen Aufstiegen hat mir sogleich total zugesagt. Nun wäre es natürlich toll als Family Race-Team da teilzunehmen-für Ramon eine nicht ganz einfache Entscheidung, hat er doch noch eine Rechnung mit IRB Einsiedeln offen der zur gleichen Zeit stattfindet- aber mit oder gegen den „Alten“ zu fahren hat ja auch seinen Reiz , so war die Gegenwehr nicht allzu heftig 🙂 (unser jüngster Fäbu hatte einen betrieblichen Lehrlingskurs zu besuchen- ist def. wichtiger als go umä bikä)

Einquartiert sind wir auf der gegenüberliegenden Seite von Titisee-Neustadt, dazwischen der Hochfirst, in Gaich in der heimeligen Pension Hochfirst- schön gelegen und nur knappe 7km vom Startgelände weg…wenn man richtig fahren würde!  Sorry Jefe für die Verspätung zur Reko Runde.

Sonntagmorgen kurz vor 10.00 Uhr geht’s über die Hochfirststrasse (und wieder mit Orientierungsproblemen und schon leichtem Anflug von nervöser Hektik..) rechtzeitig schaffen wir‘s hin und stehen im ersten Startblock ein, das Wetter einfach perfekt !

Für Ramon und mich ist klar, wir fahren zwei Runden- bin echt gespannt wie sich unser 800m Läufer auf 64km/2500Hm schlagen wird. Auf kurzer Distanz und Anstiegen habe ich null Brot gegen Ihn- ist zu spritzig und explosiv gegen meinen (immerhin) Euro 6 HDI-Diesel… Startschuss und sofort preschen wir nach vorne und hängen uns dem Spitzenquintett an. Das Tempo auf den ersten 8km und moderat steigenden Waldstrassen hin zum ersten Hügel ist hoch- die führenden werden vermutlich nur eine Runde fahren- also möglichst im Windschatten bleiben, was aber sobald es steiler wird nicht mehr klappt.Schon oben, heizen den flowigen schmalen Singel-Trail runter, wollen aufholen, werden aber bald vom schnellsten Bergfahrer blockiert- shit-der sitzt voll auf der Bremse, kommen dann aber doch irgendwie vorbei. Leider überholt uns dieser aber hinauf zum Hochfirst wieder, doch oben zwänge ich mich energisch vor Ihm in den nächsten schnellen Trail und lasse es laufen- Ramon hat da weniger Glück und muss sich im Trail vorbei kämpfen/würgen- ich warte nicht und fahre zu, spüre ab bald jemand im Rücken und tatsächlich holt er mich noch vor den steilen Schotter-und Waldpassagen wieder ein. So fahren wir als Team die verwinkelten, mit Rampen gespickten 12km zurück zum Ziel und biegen gemäss Speaker als die zwei führenden Fun Fahrer auf die zweite Runde ein 🙂  nun wird es sich zeigen, ob wir zusammen die Pace durchziehen können, doch kaum über die Zeitmessungs-Matte gefahren beendet ein lautes „OU NÄI“ alle Spekulationen und Freude schlagartig- „han ä Plattä“ ruft Ramon- huerä shit mein Feedback – ich kann nicht warten und ziehe leider alleine durch 😦 wirklich sehr schade- so wird es nun eine einsame zweite Runde, zwar immer noch zügig und biketechnisch nicht minder schön, aber ziemlich emotionslos- zu gerne hätte ich die zwei Runden mit Ramon durchgeheizt- so habe ich keinen Druck und geniesse die vielen roten Fliegenpilze entlang der Waldtrails und den Mini-Wasserfall, eingebettet im herrlichen grün von Moos und Farn. Da stehen Pia und auch Ramon, feuern mich an und schiessen Fotos- Danke- nochmals einen Teil der verwurzelten Cross Country Strecke hochfahren, durch den Schanzentisch-Tunnel und runter ins Ziel in 3.18.25 M3 Rang1 und Overall Rang 1

Ramon reicht es trotz dem unglaublichen Pneuschlitzer auf 1 Runde 32km/1250Hm in der Kategorie Männer zum tollen 2.Rang und Overall Rang 4- herzliche Gratulation- super Leistung, bin mächtig stolz auf Dich, hast mir nichts geschenkt- freue mich auf unser nächstes gemeinsames Rennen 🙂

Wirklich eine tolle Strecke, kaum Asphalt und tatsächlich viele herrliche Singel-Trails mit Wurzeln und Steinen versetzt, aber technisch nicht schwierig. Dass nur 36 Fahrer (davon 11 Lizenz Fahrer/innen) die zwei Runden absolviert haben ist überraschend, aber ich hoffe das all die positiven Feedbacks für 2019 mehr Teilnehmer motivieren an diesem genialen Bike-Race teilzunehmen.

Wir kommen sicher wieder

Ride on

Dani

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trail Hero am Titisee-Neustadt 30.09.2018

UCI Gran Fondo World Championships Varese-Italy 29.08.-02.09.2018

Mein Highlight des Jahres steht an. Die Master WM in Varese und viel näher wird wohl kaum mehr eine MWM organisiert werden. Entsprechend hoch waren dann auch die Wildcard Anfragen an Swiss-Cycling. Auch ich habe mich vorsorglich um Wildcard‘s für das Zeitfahren und Strassenrennen beworben, denn ich habe keine Qualifikationsrennen im nahen Ausland bestritten und Schweizermeister mit automatischer Qualifikation für die WM ist man erst, wenn das Rennen gewonnen ist- also lieber auf Nummer sicher gehen.

Die letztjährige WM Teilnahme in Albi FRA, krank und trotzdem auf dem undankbaren 4.Platz beim Zeitfahren, war über den ganzen Winter die grosse Motivation 2018 einen rauszuhauen. Hart waren all die Suicide Intervalls auf dem Ergo, der erste Lohn war der Gewinn des 3.Schweizermeister Titels in der Master 2 Klasse. Entsprechend motiviert und intensiv habe ich das Zeitfahrtraining weitergeführt- und nun ist der Tag X gekommen.

Am Montagmorgen fahren Pia und ich ganz entspannt den Katzensprung nach Varese. Einquartiert sind wir im kleinen aber heimeligen B&B Villa Adriana etwas ausserhalb von Varese- da treffen nun nach und nach auch unsere Schweizer Kollegen und WM-Teilnehmer des Zeitfahrens und Strassenrennen ein. Die Wetteraussichten bis Donnerstag heiss und trocken, Freitag und Samstag soll’s regnen, aber für das Strassenrennen am Sonntag  wird‘s wieder trocken und warm.

Bereits am Nachmittag geht’s mit Michi zur Reko auf den ersten Teil der Gran Fondo Strecke- auch die Zeitfahrstrecke können wir so wunderbar integrieren. Diese ist technisch trotz drei Kreisel und zwei unbeleuchteten Tunnels nicht sehr selektiv, aber durch das stetige sanfte auf-und ab und ohne Berg eine Drückerstrecke.

Am Dienstagmorgen, nach einem typisch italienisch süssen Morgenessen.. wird die Zeitfahrmaschine gepackt und die TT Strecke verinnerlicht- die Highspeed Tunnel ein-und Ausfahrt zweimal durchfahren, darin alle Schlaglöcher merken. Am Nachmittag geniessen Pia und ich auf City Bikes die wirklich sehr schöne Lago di Varese Rundfahrt.

Mittwochmorgen gegen 10.00 Uhr wollen Manfred und ich die Startunterlagen holen, danach nochmals locker um den Lago di Varese. Also runter ins Race-Village im Zentrum von Varese. Da stehen schon die ersten Teilnehmer und wollen ihre TT-Maschinen (inoffiziell) ausmessen lassen oder die Unterlagen holen. Klar strukturiert sieht anders aus. Wo welche Age-Group anstehen muss ist auch trotz lauten Anweisungen eines Funktionärs nicht ersichtlich-Getto pur, endlich stehe ich in der richtigen Reihe, dann wird’s erst so richtig spannend-Lizenz und UCI ID Nummer Kontrolle durch den Funktionär-Name suchen auf einer Teilnehmerliste-UCI ID Nummer (11stellig) von Hand beim Namen reinschreiben- ä Papierfötzel vom A4 Block abreissen und die Startnummer drauf schreiben (TT 339) und dasselbe Prozedere für das Strassenrennen (GF4058) und die Warteschlange wird immer länger…endlich Lizenz und die zwei Papierfötzel erhalten und zur Starterpacket Ausgabe. Kaum vorstellbar, dass wir uns über eine Anmeldeplattform angemeldet haben und die Lizenz als PDF hochladen mussten… nur ganz leicht genervt geht’s endlich locker und mit Cappuccino Stopp um den Lago. Gegen Abend nochmals auf die TT Strecke, was sich gelohnt hat, denn beim Wendepunkt bei Valganna wird am Renntag nicht wie offiziell beschildert um den Kreisel gefahren, sondern bereits vorher abgebogen..

Donnerstag-Renntag Time-Trial 22km/180Hm

Start erst sehr spät um 14.49 Uhr vor der Pferderennbahn Ippodromo. Also mehr als genug Zeit um ausgiebig das mittlerweile ernährungstechnisch privat leicht optimierte Frühstück zu geniessen. Danach die üblichen Rennvorbereitungen mit Startnummer montieren und Bike-Check, was nicht sehr viel Zeit in Anspruch nimmt- also ziehe ich mich um und mache eine kurze Rennradrunde nach Brinzio- einfach die Beine drehen und die Zeit totschlagen. Kaum zurück werde ich vom spontanen Besuch von Ramon überrascht- eine freudige und motivierende Überraschung. Langsam tickt die Uhr runter, die körperliche und mentale Anspannung nimmt kontinuierlich zu- 13.00 Uhr, rein in den Einteiler und rauf auf die Freilaufrolle einfahren. Die Beine fühlen sich sehr gut an, bin positiv nervös- ein gutes Zeichen. Kurz nach 14.00 Uhr geht’s in ET-Vollmontur die 2.5km runter ins Startgelände- Ramon nimmt mir sicherheitshalber die Trainingsräder mit- man weiss ja nie bei den miesen Strassenzuständen. 20Min. vor dem Start reihe ich mich in der Kontrollzone ein und lasse mein Bike auf der offiziellen Lehre ausmessen und mit einem Tablet auf Tech-Doping checken- alles i/O- rauf auf die Startrampe, tief durchatmen und den 30“ Countdown runterzählen- Go- volle Kanne raus und sofort in den max. Schwellenbereich – diesen gilt es nun unbedingt zu halten- ja und du spürst es sofort- heute ist ein guter Tag- super wie es dreht, die Leistung ist im Soll- rechts links und scharf links runter auf die Hauptstrasse hin zum ersten Kreisel- da steht Ramon und feuert mich an- ohne Risiko rechts rum mit Highspeed hinunter zum nächsten Kreisel bei Km3- sauber anfahren, durchziehen und jetzt geht es 6km zwischen 2-8% kontinuierlich ansteigend hoch- Schweiss in Strömen und schmerzende Beine, aber Trittfrequenz und Leistung im angepeilten Bereich- fühle mich prächtig- die nächsten 3km fast flach hin zum Wendepunkt „vor dem Kreisel“!! die Funktionäre wedeln wie wild mit Ihren orangen Flaggen, doch der vor mir gestartete Irländer ist wohl im tief roten Bereich und will partout um den Kreisel fahren…- ich bremse sehr spät an und ziehe sauber rum- nun alles auspacken – no pain no gain-

überhole den Iren und mit 68km/h in den ersten Tunnel, links bleiben und den Schlaglöchern ausweichen- rein in die letzte Fläche- rechts weg und auf der grossen Scheibe im Wiegetritt in den giftig steilen Anstieg, über die shit Betonschwellen hüpfen und scharf rechts weg hoch zum Ippodromo und all out ins Ziel- TOT-KAPUTT- ATEMNOT- gut so ! Bin total happy mit meiner Leistung- alles abgeholt was möglich war.

Zeit 29.48.65 und gespannter Blick auf die Digitale Resultatleinwand- dann geht’s schnell-bum bum bum- und der 66er ist auf dem 9.Rang- was für eine riesige Enttäuschung! Ich, aber auch Pia und Ramon sind erstmal sprachlos. Gesund und massiv stärker gefahren als 2017 und nun nicht mal unter den Top 5- hart zu akzeptieren! Gegen Abend, nach Analyse der Daten und Sichtung aller Schweizer Ergebnisse konnte ich meine Leistung realistisch einordnen und akzeptieren. Ich muss und kann neidlos zugestehen, dass das Leistungsniveau meiner Konkurrenten einfach brutal hoch und Sie entsprechend besser sind!

Fazit: ride on- have fun and there is always room for improvement…

Freitag und Samstag ist wie angekündigt eine Kaltfront anmarschiert, was Pia und ich nutzten um durch Varese zu schlendern und den ein oder anderen Cappuccino zu trinken. Ganz überraschend tauchen da plötzlich meine Schwägerin Lucia mit Knofi und Nina auf- Sie wollen mich an der Strecke anfeuern- super toll

Trotz kühlem nassem Wetter und schlechten Strassen sind viele unentwegte WM Teilnehmer nicht vom Outdoor Training abzuhalten- oh wie schön dürfen wir die Garage der Villa Chefin benutzen und da lockere Freirolle Einheiten mit Musik abspulen.

Sonntag- Renntag Gran Fondo 127km/1990HM

Bereits im Vorfeld habe ich meinem Squadra-Trainingskollegen Roger gesagt, dass ich das Strassenrennen als grosses Abenteuer betrachte , ohne grosse Erwartungen aber heil und gesund durchkommen will (mein letztes Strassenrennen war die Seeland-Classic 2014) Die Strecke ist mir nach den herbstlichen Reko-Ausfahrten letzten Oktober bestens bekannt.

Start meiner Age-Group 50-54 mit 406 Startern um 07.58 Uhr im zugewiesenen Startblock- und wie es zu erwarten war ist der Startblock um 07.20 Uhr bereits fast bis zuhinterst gefüllt.. also hinten anstehen- amüsiert zuschauen, wie sich UCI Funktionäre mit Tablet durch die Fahrer quetschen um Stichproben bez. Tech-Doping zu machen- so weit sind wir also!

Dann, 7 Minuten nach Roger’s Age Group 45-49 fällt unser Startschuss und sofort all out nach vorne preschen- habe genau 12km bis zum Anstieg zur Alpe Tedesco Zeit um mich vorne einzureihen, denn da wird das Feld definitiv zerrissen und die Spitze formiert. Bis es aber soweit war mussten einige hoch intensive Intervalle durch Varese gesprintet werden, eine Vollbremsung bei knapp 60km/h nach dem Ippodromo vor dem Kreisel in die Viala Valganna, und mit vieeel Glück um zwei in sich verkeilte stürzende Fahrer und Karbonspeichen-Regen zirkeln…durch die zwei dunklen unbeleuchteten Tunnels war so ziemlich jeder Muskel wie ein Stahlseil gespannt-hässliche Geräusche von Stürzen und Fluchen im Nacken. Einigermassen gesittet schaffen wir es danach in den erlösenden Anstieg zur Alpe Tedesco und dan geht wie erwartet die Post ab- mit super Beinen schaffe ich bis oben den Anschluss an die Italienische Mannschaft an der Spitze- rein in die enge schnelle Abfahrt- idiotische Überholmanöver on Mass- aber ich bin dabei. Dem Luganer See entlang wir die Taktik der Italiener klar, sie haben Ihren Favoriten und seine Helfer im Wind und wir auswärtigen sollen gefälligst möglichst viel mitführen- könnt ihr haben- ab Brusimpiano forciere ich nun in jedem der noch folgendem Anstiege das Tempo von vorne- es ist mein persönliches Abenteuer und ich will Rennen fahren, nicht taktierenist es für mich hart, müssen auch die anderen Leiden und hinten raus bin ich stark. In den Flächen von Luino nach Porte Valtravaglia fahre ich aber nur sehr kurze Ablösungen, der Italo-Leader versteckt sich. Im Hinterland ab Mesanzana holen wir bereits die ersten Fahrerpulks des Medio Fondo ein- nun wird’s total unübersichtlich und in den schnellen engen Abfahrten und Kurven extrem gefährlich- so krass sind die fahrtechnischen Unterschiede- die Schutzengel haben Extraschicht… Im 7km langen Aufstieg nach Brinzio übernehme ich wieder die Initiative fahre mit guten Druck alles von vorne hoch- und unsere Gruppe wird stetig kleiner- fast oben erwarten mich Pia und Fan’s- mit Nidwaldner-und Schweizerfahne werde ich begrüsst und Pia reicht mir höchst konzentriert bei über 30km/h ein Bidon.. ist halt keine gemütliche Bike Marathon Verpflegung.

Nun sind die gröbsten Höhenmeter durch, aber noch immer sind wir gegen 10 Fahrer und in der Fläche am Lago di Varese kann sich keine Fluchtgruppe absetzen- zweimal versuche auch ich einen Ausreissversuch, doch die Mitfahrer sind leider nicht stark genug-Abbruch- was soll ich machen ? Im Sprint habe ich gegen den Italo Leader keine Chance- beim Km123 im Kreisel hoch nach Varese greife ich an- und wie es zu erwarten war springt mir der Italo ans Hinterrad- einer nach dem anderen muss abreissen lassen- die Flamme Rouge- nochmals auf Anschlag kicken- die letzte Kurve, dann sprintet der Italo an mir vorbei, ich will dran bleiben doch mein Tank ist leer und trotz Tigersprung muss ich mich noch um Zentimeter von einem Deutschen geschlagen geben. Trotz allem-was für ein geiles Rennen- es war mein Abenteuer, voll auf Angriff und gespickt mit Emotionen, hat unglaublich Spass gemacht.

PS: in der ganzen Rennhektik habe ich nicht bemerkt, dass der TT Weltmeister aus Canada und ein Italiener uns bei Brusimpiano vor dem zweiten Anstieg entwischt sind… so wird aus dem emotionalen Podestplatz ein etwas beschissener 5.Rang

Fazit:

Alles falsch gemacht ,zu viel Initiative ergriffen, unnötig Körner verschossen und daher im Sprint chancenlos um die so schöne Bronze Medaille? Vielleicht- aber „hätte wenn und Aber“ zählt nicht – ich bin mein persönliches Abenteuer mit Leib und Seele gefahren und habe unbezahlbare Emotionen- und um das geht es uns Amateure ja schlussendlich- erfahren dürfen.

Es war eine tolle und unterhaltsam lustige Woche zusammen mit Sportkameraden/innen in der herrlichen Lombardei.

Ein grosses herzliches Dankeschön an Pia und Familie für die jederzeit so wertvolle Unterstützung.

Und herzliche Gratulation an Roger zu seinem fantastischen 3.Platz in der Age Group 45-49- du hast es total verdient!

Ob ich nächstes Jahr auch in Polen dabei sein werde ? Erst mal alles setzen lassen

Ride on

 

UCI Gran Fondo World Championships Varese-Italy 29.08.-02.09.2018

Bike Transalp 15-21.July 2018

7 Etappen 506km / 18167Hm

Team bikeholiday.ch / terreactive IT security

Nach der Schlussetappe 2017 war für mich lange nicht klar, ob ich die Transalp nochmals fahren werde-oder ganz konkret, ob ich mich nochmals von Hansjürg über 7 Etappen quälen lassen möchte. Ich war ab der zweiten Etappe immer am Limit und so macht es natürlich keinen Spass und keinen Sinn. Warum dies so war lag glasklar auf der Hand und mit dem Ziel an diesen Schwächen zu arbeiten gab ich Hansjürg im Herbst die Zusage nochmals mit Ihm die Transalp zu fahren.

Anreise am Samstagvormittag nach Imst. Dieses Jahr begleitet mich Pia, wird mit Beatrice an den Strecken verpflegen und nach den Etappen die müden Muskeln massieren- perfekt. Auch die Wetteraussichten sind gut, versprechen trockene Trails.

Das diesjährige Teilnehmerfeld in der Grand Master Kategorie ist wirklich  sehr stark besetzt- aufs Podest zu fahren wird nicht selbstverständlich werden, aber unser klares Ziel sein.

Etappe 1 Imst-Nauders 89km / 2942 Hm

Bewölkt aber noch trocken. Aufruf für in den ersten Startblock, der Countdown, der Puls steigt, der Startschuss und ab geht die Meute hin zur Pillerhöhe. Mit gutem Rhythmus im Pulk gehts hoch, dann ziehen die GM Favoriten Claudius und Thomas Team Stoll-Bikes  davon. Die auf Papier zweitstärksten KTM Fahrer sehen wir in einer Waldabfahrt mit Platten am Rand stehen. Im leichten Nieselregen über das Pfundser Tschey, das lange Flachstück nach Martina und über die Norbertshöhe nach Imst. GM Rang 2- ein sehr guter Start

Etappe 2 Nauders-Livigno 102km / 3512 Hm 

Die Königsetappe am zweiten Tag- ein eindrückliches Höhenprofil, teils bekannt vom Engadiner Bikemarathon. Schnell setzen sich das Stoll und KTM Team ab. Ich fahre meine Pace, lasse mich hoch zum Bergkastel nicht stressen- in den Downhills sind wir nicht die langsamsten…entlang dem Reschensee mit drei anderen Teams, fahre im Windschatten, spare Kraft den ab Laatsch gehts nun 20 km immer steiler werdend hoch zur Döss Radond- zu steil für mich, kostet viel Kraft und bin nicht wirklich schnell. Durchs flowige Val Mora lassen wir’s aber wieder krachen, bis ein komisches Geräusch in meine Ohren gelangt- sehe und spüre nichts- kein Geräusch mehr, aber nun sehe ich was runterhängen- die linke Umwerferschaltung hat sich los vibriert und baumelt gefährlich nahe am Vorderrad- ziehe das Kabel mit Schaltung zum Lenker hin und versuche es so gut es geht mit zwei Finger zu fixieren und mit dem Mittelfinger die HR Bremse zu betätigen. Vor dem Alpisella beidhändig die Schaltung fassen und aufs kleine Ketteblatt schalten. In Livigno schicken Sie uns noch auf eine Zusatzschlaufe mit kurzen aber sehr steilen Rampen. Ziemlich geschafft im Ziel –  GM Rang 3

Etappe 3 Livigno-Bormio 68km / 2239 m

Steil ist geil- eher nicht für mich ,

aber die Etappe geht durch  das Val Fedeia mit sehr steilen Schotter-Rampen hoch zum Carasello 3000 zu der 10km langen Flowtrail Abfahrt runter nach Livigno. Weiter durch das Val Torto geht es auf einem coolen Waldpfad nach Trepalle, von da über den Passo Trela zur Alpe Trela und schließlich über die Bocchetta di Trela mit herrlichem Blick in die Gletscher der Cima Piazzi hinab zum Almgelände von Vezzola. Mit guten Beinen hoch zum Passo Fraele und 5km vor Bormio ist die Ziel Linie erreicht. Viel besser als ich es erwartet habe- GM Rang 2

Noch immer fühle ich mich sehr gut- keine körperlichen Beschwerden die den Kraftfluss vom Rücken in die Beine abwürgen- die unumgänglichen Verspannungen in der Muskulatur löst Pia mit einem Hauch von Sado-Maso Triggermassagen..

Etappe 4 Bormio-Ponte di Legno 58km / 2393Hm

Und wieder eine kurze und knackige Etappe und gemäss Race-Briefing eingeteilt in zwei Sektionen. Im ersten Teil hinauf zum Passo Gavia sind fast 1.800 Höhenmeter zu bewältigen, ab dem Lago Nero wird’s anspruchsvoll technisch.

Nach einem wiederum schnellen Start reihen wir uns bald als dritte der GM ein- auf Forststrassen bis St.Katarina die Valfurva und die nächsten 900 Hm hoch zum Gavia mit guten Beinen, auch ein Blick in die grandiose Landschaft lasse ich mir nicht nehmen-Verpflegung durch Pia am Fusse des Passes und oben nochmals durch Beatrice-kurze Abfahrt auf der Passtrasse, dann zweigen wir in die zweite und somit technische Sektion ein-steil, eng, steinig verblockt- also alles was anspruchsvoll macht- gut habe ich trotz Mehrgewicht eine Dropper-Seatpost- die Cross-Country Spezialisten lasse ich vorbei-so sollte man runter huntern können-eindrücklich. Ohne Sturz und Panne schaffen wir es runter-noch eine lange eklig steile Wald-Schiebepassage, dann knallen wir in den mit Steps und Rockgarden gespickten Pegrà-Flowtrail runter ins Ziel. GM Rang 3

Etappe 5 Ponte di Legno- Val di Sole 50km / 1967Hm

Man glaubt es kaum, aber diese Etappe wurde so als quasi Erholungsetappe angepriesen! Wohl kaum – konzentriert auf dem steinigen Säumerpfad hoch die Ideal-Linie suchen und hinein in den schmalen Alta Via Camuma Pfad in den Bergwiesen auf 9 Kilometern hin zum Passo Tonale. Da distanzieren wir die letztjährigen GM Sieger, einen Blick in die Adamello-Gletscher aber ist ein Muss. Über den Passo Tonale, wo uns Pia verpflegt, hinüber ins Val di Sole.

Auf schnellen Forstwegen und kleineren Waldwegen 900 Höhenmeter hinab, vorbei am Forte Strino, einer Festung aus dem 1. Weltkrieg nach Ossana und zum nicht enden wollenden Schlussanstieg hinauf nach Valpiana und endlich in den finalen Trail ins Tal nach Pellizzano. GM Rang 2

Etappe 6 Vale di Sole-Vale del Chiese 79km / 2805 Hm

Eine Schlechtwetterfront ist im Anmarsch. Am Morgen aber noch Sonne pur.

10km neutralisierter Start, vorne mehr oder weniger stressfrei, dann wird das Rennen freigegeben und ein fast 15km langer Anstieg reiht das Feld ein- die KTM Brüder wollen es wissen und attackieren die GM Leader- wir kämpfen wie meistens mit den letztjährigen Sieger um den dritten Platz die bis zum zweiten Berg Bregn da l’Ors mit Schiebepassage dran bleiben, dann aber schütteln wir Sie endlich ab und ziehen unsere Peace konstant durch. Im letzten Anstieg fahren wir in ein richtiges Gebirgsgewitter mit Blitz und Donner, kühl ist es aber nicht. Einmal mehr sind die Wald-und Schotterabfahrten extrem schnell, Hansjürg sieht eine Wasserinne zu spät und kassiert einen heftigen Schlag aufs Hinterrad-unten, 8km vor dem Ziel, bemerkt er Luftverlust, anhalten und hoffen das Loch zu finden um mit einem Wurm abzudichten- wir sehen nichts- nachpumpen und weiter- dieses Prozedere wiederholen wir noch zweimal- immer nervöse Blicke nach hinten ob wir noch vom dritten Platz abgefangen werden, dann sind wir im Ziel. Glück gehabt-GM Rang 3.

Mein Bike übergebe ich wie jeden Tag dem Scott Service Stand, Hansjürg muss den Pneu wechseln und ich brauche nun eine gute lösende Massage- alle sind nun müde aber noch steht eine Etappe an.

Etappe 7 Vale del Chiese-Arco 60km / 2309 Hm

Die letzte Etappe und eindringlich wird nach den abendlichen Siegerehrungen beim Race-Briefing an die Konzentration appelliert-noch sind wir nicht am Ziel. Overall sind wir knapp hinter KTM auf dem dritten Platz- mit dem kann ich gut leben. Am Vorabend und bis in die Nacht hinein hat es heftig geregnet, gar nicht mein Ding- also no risk aber nochmals mit guter Pace die letzten drei Anstiege in Angriff nehmen. Am Start ist es noch trocken wird aber definitiv nicht so bleiben. Bereits nach 12km im Aufstieg zum Passo di Giovo werden wir gründlich von Oben vom Waldschlamm gereinigt. Die GM Leader haben wir immer im Blickfeld, die KTM Truppe ist wie immer gesplittet, einer fährt voraus und der andere ist hinter uns und hofft mit Kamikaze Downhills wieder zu uns aufzuschliessen.. Nochmals 800Hm am Stück hinauf zur Bocca di Trat, dann in den steilen Bremsenmordenden Geröll Karrenweg, genannt Adrenalina- ein low light, aber extrem anstrengend und höchste Konzentration fordernd, immer die richtige Linie finden um nicht noch eine technischen Defekt einzufangen. Da lassen wir nun auch den vorne fahrenden KTM Biker stehen und ziehen voll über die letzten Dörfer und  Olivenplantagen durch ins Ziel in Arco.

Wiederum nur knapp hinter dem sehr starken und sympathischen Stoll-Team auf Rang 2-und auch Overall zurück auf dem zweiten Platz 🙂 was das KTM Team wohl  dazu veranlasste nicht an der Rangverkündigung teilzunehmen- wirklich sehr schade 😦Overall Ranking Grand Master

1. Stoll Bikes Thommen Claudius 1966 SUI Girardi Thomas 1968 SUI 26:20.09,5 (7) Teams/14. 4:04.35,1 1. ¦ 5:09.40,6 2. ¦ 3:27.41,5 1. ¦ 3:25.01,1 1. ¦ 2:44.06,4 1. ¦ 4:13.39,4 2. ¦ 3:15.25,4 1. ¦

2. bikeholiday.ch/terreActiv Christen Daniel 1966 SUI Gerber Hansjürg 1966 SUI 26:50.59,3 (7) Teams/17. 4:08.16,8 2. ¦ 5:22.52,9 3. ¦ 3:32.57,8 2. ¦ 3:26.31,7 3. ¦ 2:44.36,8 2. ¦ 4:19.47,0 3. ¦ 3:15.56,3 2. ¦

3. TEAM KTM RAD.SPORT.SZENE Warter Anton 1972 AUT Zörweg Heinz 1962 AUT 26:58.59,9 (7) Teams/18. 4:22.25,4 5. ¦ 5:07.36,6 1. ¦ 3:36.38,5 3. ¦ 3:25.44,7 2. ¦ 2:48.25,7 4. ¦ 4:12.20,3 1. ¦ 3:25.48,7 4. ¦

Fazit:

Eine erlebnisreiche und erfolgreiche Woche ist mit extrem grosser Unterstützung durch unser Frauen Pia und Beatrice bereits wieder vorbei-kaum zu glauben. Nach der zweiten Etappe hatte ich noch das Gefühl diese Woche werde nie enden, auch der Druck möglichst schnell zu fahren um meinen Partner nicht hängen zu lassen war bis dahin sehr belastend, bis ich nach einem abendlichen Gespräch mit Pia mich wieder auf meine Stärken besann, diese so auch akzeptierte und beschloss niemandem mehr etwas beweisen zu müssen.  Dann jeder Tag „und täglich grüsst das Murmeltier“ das selbe Prozedere- Aufstehen um 06.15 Uhr-Frühstücken-packen und sinnlos rumhängen im Hotelzimmer bis 08.00 Uhr- Einfahren ab 08.15 Uhr und zum namentlichen Call-In für den Startblock A1 um 08.40 Uhr-Start Rennen 09.00 Uhr- Zieleinfahrt-Bike Service- viel Essen und Trinken-Massage durch Pia- fades geschmackloses Pasta-Essen und Rangverlesen- dann mit unseren Frauen die Verpflegungsposten der nächsten Etappe planen- Spaziergang zum letzten Cappuccino oder Radler und Nachtruhe ab 22.00 Uhr- und nun ist es vollbracht. Ich bin absolut happy mit meiner Leistung, das harte Wintertraining und die täglichen Dehnübungen haben sich bezahlt gemacht- die Therapie beim Osteopathen haben die schmerzende Energieblockaden im Rücken lösen können und auch Materialtechnisch hatten wir 2018 alles Glück auf unserer Seite. Aber mehr ist für mich nun nicht mehr möglich, zu stark ist das Gewichtshandicap am Berg. Hansjürg ist nach wie vor klar stärker als ich und kann somit nicht sein volles Potential abrufen. Daher ist für mich nun klar, dass die zweite auch die letzte gemeinsam Bike Transalp war. Ich habe mein Leistungslimit erreicht und kann dies so sehr gut akzeptieren- es werden andere coole Rennen kommen, vielleicht mal ein Etappenrennen mit unserem Sohn Ramon- wer weiss.

Ride on

Dani

Bike Transalp 15-21.July 2018

VAUDE Engadin Bike Giro 29.06.-01.07.2018

Kurzentschlossen angemeldet (natürlich mit Blick auch auf die Wetterprognosen..) als Vorbereitung und Test für die Transalp. Eigentlich wollte ich dieses Rennen nie fahren, da wir seit über 20 Jahren im Oberengadin unsere Sommerferien verbringen und ich die Trails und steilen Aufstiege bestens kenne und diese im Ferienmodus auch viel angenehmer zu fahren sind.. Pia wird es da gelassener nehmen, Sie wird die herrliche Oberengadiner Landschaft per E-Bike erfahren und mich entlang der Strecke verpflegen.

Also nun 3 Etappen Zeit um mich von der Aero wieder in die Trail Position zu bringen- ob es schlau ist vom Flachland direkt in die Höhe ohne Akklimatisation Vollgas zu geben ?

Das Bergzeitfahren als heavy Guy lief super gut- ärgerlich war nur das anstehen im Corviglia Flow-Trail, überholen war leider nicht möglich .Das am Ende dann zwei Sekunden zum dritten Platz fehlten hat mich dann schon ziemlich geärgert, denn bei unserem hochgradigen Fun 4 Teilnehmerfeld ist ein Podestplatz absolut nicht selbstverständlich.

Die zweite Etappe mit Stazerwald Trails, Alp Muntatsch, Marguns und die brutal steile Glüna liess mich dann schon ziemlich heftig leiden.

Das es dann zum dritten Platz gereicht hat (trotz Anfängersturz in einer Steilwandkurve mit Tapetenwechsel an Bein und Arm) umso schöner.

Die dritte Etappe mit knappen 2000 Hm auf 60km und vielen technischen Trails liess mich doch etwas unruhig schlafen. Tatsächlich ging mir dann im Verlauf der Etappe sukzessive die Luft aus. 

In all den Jahren habe ich die langweiligen Schotter und Betonrampen von Salastrains hoch zur Corviglia erfolgreich ignoriert- zu Recht, ein absolutes low light, speziell wenn Flasche leer… auch die schöne Aussicht auf dem Trail um den Piz Nair hin zum Suvretta Pass konnte nicht mehr entschädigen- ich bin kaputt- nun einfach möglichst konzentriert und  heil  den technisch wirklich verblockten Suvretta Trail ins Val Champfèr runter krampfen. Endlich im Ziel, ich kann’s noch, das ist positiv 🙂

Nun gilt es sich gut zu erholen um frisch und motiviert mit Hansjürg die Transalp 2018 zu geniessen 😉

Ride on

Dani

 

VAUDE Engadin Bike Giro 29.06.-01.07.2018